Was soll das mit dieser alternativen Pornografie eigentlich?

Bildquelle: Let’s Fuck Porn, Arthouse Vienna, 2016.

 

Experimentelle Formen der Pornografie und eine neue Gruppe von professionellen Pornoarbeiter*innen entstehen. Sie legen Augenmerk auf unentdeckte Gebiete der Sexualität. Hauptthemen umfassen daher queere Lebensweisen, feministische Denkmodelle und neue ästhetische und auch technische Formen. Kritik, Kunst und Aktivismus und eine große alternative Szene werden in alternativer Pornografie widergespiegelt.

 

Hinter den Sex blicken und Authentizität sehen

Die Wichtigkeit von Pornografie oder besser gesagt das Verlangen danach steigt stetig und wird in Büchern, Filmen oder Serien immer mehr aufgegriffen. Der Wunsch hinter die Fassade, hinter die Szene und in das Leben der Darsteller*innen sehen zu können, steigt damit immer mehr an. Die Erfüllung von Authentizität und Personalisierung wird folglich erwartet. Neu organisierte Porno-Seiten, die vor allem von Frauen geführt werden, greifen eben diese Wünsche auf. Pornografie wird zum Identitäts-Projekt.

 

Wir wollen Menschen sehen!

Intimität bildet in den alternativen Formen die Mitte, um die sich alles dreht. Sobald Darsteller*innen gezeigt werden, die sich selbst ausdrücken, steigt der Eindruck einer neuen Intimität. Diese neue Intimität wird stark mit Identität gekoppelt. Folglich entstehen neue Denkmodelle zwischen Pornografie-Verständnis und Sexualität, Selbstpräsentation und Repräsentation und Arbeit und Vergnügen. Durch die daraus folgenden neuen ästhetisch Formen der Pornografie wird diese gerne als Kunst charakterisiert. Deswegen differenziert sich die Arbeit hinter alternativer Pornografie vom Mainstream: Der Ausdruck des Selbst eröffnet neue Perspektiven und versucht gleichberechtigt zu arbeiten. Das Individuum steht im Mittelpunkt. Performance-Kunst fällt dabei auch oft als Stichwort.

 

Gemeinschaftlich individuell sein

Die neuen Formen der Pornografie wenden sich direkt an den*die Zuseher*in. Jede*r Beobachter*in bildet also einen Teil der entstehenden Gesellschaft hinter bestimmten Projekten. Vor allem das neue Medium des Internets dient dabei als Basis und Sprachrohr für Identität und Gemeinschaft. Diskussionsgruppen, Blogs und Angebote zu Nachrichtenverkehr bieten Möglichkeiten sich zu äußern.

Selbstbilder und Gemeinschaften sollen bei alternativer Pornografie durch grenzenaufbrechende Mittel erreicht werden. Neben Vergnügen, Begehren und Faszination soll auch Reflexion ermöglicht werden. Neue Ansichtspunkte der Sexualität werden gefordert und gefördert. Die Arbeit am Sex wird als Ausdrucksmöglichkeit verstanden. Jede Art von Mensch ist willkommen, um eine Gruppe aus weitläufigen Interessen und unterschiedlichen Identitäten zu entfalten.

 

Arthouse Vienna als Beispiel

Die Plattform Arthouse Vienna bildet ein gutes Beispiel für die vorangehenden Erklärungen zu alternativer Pornografie. Die Darsteller*innen sind nämlich alle Amateur*innen. Authentizität wird aber auch durch das Weglassen der Regie geboten. Die Entfaltung der eigenen Sexualität steht im Mittelpunkt. Die Psychologie des Sex zu zeigen, wird angestrebt. Mit diesem Anspruch verändert sich natürlich die ästhetische Form der Pornografie mit. Neue Perspektiven brauchen neue Mittel, um sie umzusetzen. Alternative Pornografie wird dadurch in den Bereich der Kunst oder Erotik versetzt. Deshalb wurden beispielsweise Filme von Arthouse Vienna auch im Museum ausgestellt. Schattenspiele, Musik, Interviews mit den Darsteller*innen und das Zeigen „echter“ Menschen beim Sex macht Arthouse Vienna zu einem guten Beispiel für die neu aufkommende Welle alternativer Pornografie.

 

Quelle: Attwood, Feona (2010): »›Younger, paler, decidedly less straight‹: The New PornPorfessionals«, in: Dies. (Hg.): porn.com. Making Sense of Online Pornography. New York u.a.:Peter Lang, S. 88-106.