Rape Culture, Vergewaltigungsmythen, Schuldumkehr

Was ist Rape Culture?

Rape Culture (engl. rape = Vergewaltigung und culture = Kultur)

Der Begriff Rape Culture kommt aus der feministischen Theorie und der Gewaltschutzbewegung. Es bezeichnet Kulturen, Gesellschaften, soziale Schichten oder Gruppierungen, in denen sexualisierte Gewalt gerechtfertigt, weitgehend toleriert, entschuldigt oder geduldet wird.

Es geht um eine Haltung, dass die Last eines solchen Verbrechens von den Betroffenen zu tragen sei und nicht von den Tätern. Die Personen, die das Verbrechen gegangen haben, werden dabei weitgehend entlastet. Die Schuld wird bei den Betroffenen gesucht. Dabei dreht sich die Diskussion dann um die Kleidung, die Art, mit der Frauen sich bewegen oder sprechen, ob sie Alkohol trinken und welche Kontakte sie knüpfen. Dabei wird davon abgelenkt, dass jemand ein sexuelles Verbrechen begangen hat. Als wären die Betroffenen selbst schuld daran. Es erschwert oder verhindert die strafrechtliche Verfolgung und schützt die Täter.

 

Die Aktivistin Helga Pregesbauer erklärt den Begriff:

Helga Pregesbauer, WortgeflechteHelga Pregesbauer ist Aktivistin und beschäftigt sich mit Sexarbeit, Hurenstigma, Rape Culture und Geschichte der Sexualität. Dazu veranstaltet sie Events, Seminare und Workshops.

Hier könnt ihr sie buchen: Wortgeflechte

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Wozu der Begriff „Rape Culture“?

Reicht es nicht darüber zu sprechen, dass man bei Vergewaltigung hart strafen sollte? Nein, es geht eben nicht nur um das. Es ist nicht nur ein rechtliches Problem, es ist ein kulturelles. Es ist keine Frage von Einzelpersonen, es ist eine Vielzahl kultureller und gesellschaftlicher Umstände. Es ist ein Mindset, dass Vergewaltigungen verharmlost und sexuelle Gewalt relativiert. Diese Denkweise an sich ist nicht allein schuld daran, dass Vergewaltigungen passieren, aber sie hat einen Beitrag daran, dass wir nicht mehr davon verhindern können. Und es schafft einen Rahmen, die sexuelle Gewalt, ja bereits sexuell aggressives Verhalten, als akzeptable Verhaltensnormen setzt.

Bereits bei Kleinigkeiten zeigt sich eine gewisse Toleranz gegenüber dessen, wie aggressiv sich Männer Frauen nähern können. Für Catcalling existiert weitgehend großes Unverständnis. Nur wenige Clubs und Bars reagieren auf die alltäglichen sexuellen Belästigungen und überlassen ihre Gäste sich selbst. Das Wirr und das 25hourhotel in Wien finden es sogar lustig, Toilettensymbole zu verwenden, wo die männliche Figur über die Toilettenwand klettert, hinter der die weibliche Figur sitzt.

#rapeculture #toiletsign das wirr am yppenplatz mit einer ganz wirren idee für toilettensymbole #everydaysexism

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(Das Wirr hat nach einer Vielzahl negativer Rückmeldungen das Symbol mittlerweile geändert. Das 25hourhotel ist nicht einsichtig…)
Bei häuslicher Gewalt sitzt diese Denkart ebenfalls tief. Wir fragen bei häuslicher Gewalt nicht zuerst „Warum hat er das gemacht?“ – wir fragen „hat sie es provoziert?“. Wir fragen nicht „warum hat er nicht aufgehört?“ wir fragen uns viel eher „warum ist sie nicht einfach gegangen?“.
Bei Vergewaltigung beschäftigen wir uns so sehr mit der Kleidung und dem Verhalten von Frauen, anstatt mit der simplen und erschreckenden Frage, warum (im so überwiegenden Großteil) Männer vergewaltigen. Und das liegt genau an den Rollenerwartungen und Handlungsnormen. Schon weit vor einer tatsächlichen Vergewaltigung.

 

Mythos Vergewaltigung

Unsere Denkweise zeigt am deutlichsten, wie groß unser Nachholbedarf ist und dass es sich nicht um rein rechtliche Fragen handelt. Es ist nur das Ende des Strohhalms, an den wir uns klammern. Und mehr als ein Strohhalm ist es leider wirklich nicht. Vergewaltigungen sind leider immer noch meistens ein strafloses Verbrechen. Wir hängen dem Mythos an, eine Vergewaltigung wäre leicht zu behaupten, der Vorwurf schwer zu verteidigen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Viele Opfer zeigen erst gar nicht an, weil sie dann jahrelange Retraumatisierungen und öffentlicher Stigmatisierung bis Anfeindung rechnen müssen. Die Chancen, dass der Täter belangt wird, sind leider recht gering. Es sind Signale, dass es sich nicht um ein belangbares Verbrechen handelt. Da geht ein Großteil der Frauen erst gar nicht dagegen vor. In Österreich wird etwa ein halbes Prozent juristisch bestraft – Tendenz seit 17 Jahren durchgehend sinkend.

Ein fucking – halbes – Prozent.

 

Wir haben ein kulturelles Grundverständnis davon, wie Männer sich Frauen nähern dürfen. Wenn diese das nicht wollen, oder nicht auf diese oder jene bestimmte Weise, dann sind sie Zicken. Die Männer dürfen dann zu stärkeren Mitteln oder Manipulationen greifen. Das zeigt uns jeder Disney-Film, in denen die Prinzessin zuerst keinen Bock hat, der Held jedoch nur lange genug nerven muss. Die Folge sind die soziopathischen Mindfuck Methoden der PickUp-Artists.

Starting with the Man in the Mirror. Wir sind dazu angehalten, unser eigenes Verhalten zu hinterfragen. Wo erkennt man selbst die Grenzen nicht?Wo verharmlost man solches Verhalten anderer? Wir müssen allerdings auch in unserem Umfeld Courage zeigen, vor allem auch Männer. Wir müssen in Gesprächen klarstellen, was nicht ok ist, wenn problematisches Verhalten verharmlost oder glorifiziert wird. Selbst – oder vor allem, wenn es die Kumpels sind. Wir müssen unsere Mitmenschen darauf hinweisen, wo ihr Verhalten eine Grenze überschreitet. Wir müssen Betroffene fragen, ob alles in Ordnung ist, wenn man problematisches Verhalten Fremder beobachtet. Am besten so früh, wie möglich. Und wir müssen lernen, anders darüber zu sprechen.

Um zu einer anderen Kultur zu finden. 

 

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Patrick Catuz, Autor, Feministische PornographiePatrick Catuz ist Autor, Filmemacher und Kulturarbeiter und lebt in Wien. Er ist Doktorand an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Er ist Autor des Buches „Feminismus fickt!“, das sich mit den Perspektiven feministischer Pornographie beschäftigt.

Er ist Produzent bei Arthouse Vienna.

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