Queer Porn

Was ist Queer Porn?

Queer Porn vervielfältigt das Bild der Pornographie, bricht Schönheitsnormen auf und öffnet den Sektor. Es ist eine der bekanntesten neuen pornographischen Strömungen, die im digitalen Zeitalter groß aufkamen. Wie entwickelte sich das Subgenre und was steht im Zentrum der Darstellungen?

Queer Porn hängt deshalb so stark mit der Netzpornographie zusammen, weil es den Durchbruch erst im digitalen Zeitalter geschafft hat. Das ist kein Zufall. Als die Gatekeeper der wenigen großen Produktionsfirmen und Distributionsfirmen wegfielen, die sich nur für Titel interessierten, die sich an eine breite Masse verkaufen ließen, diversifizierte sich der Markt. Die neuen technischen Möglichkeiten, einfache, leistbare Kameratechnik und die direkten Distributionsmöglichkeiten über das Internet machten das möglich. Nun lassen sich Pornos theoretisch auf jedem Mobiltelefon filmen und verbreiten.
Der Anfang war auch tatsächlich stark von einer DIY oder Amateur-Ästhetik geprägt. Das war jedoch Absicht, wollte man sich doch von Konventionen des traditionellen Pornos abgrenzen, genauso, wie von der Kommerzialität an sich. Es ging nicht ums Geld verdienen. Viele Titel waren frei verfügbar. So grenzte man sich auch vom gleichzeitig entstehenden Fem Porn ab, der starke Ambitionen zeigte, sich auch ökonomisch am Markt zu etablieren und deshalb auch im Look weitaus kommerzieller war. Das zeigte sich in der Hochglanzästhetik, der man mit einem rougheren Look etwas entgegensetzen wollte.

Gleichzeitig wollte man nach Jahrzehnten von Fake Lesbian Porn, der eigentlich für Männer produziert wurde, auch Pornos produzieren, die tatsächlich aus der Community kamen – und für die Community gemacht wurden. Authentizität drückte sich also auch über den amateurhaften DIY Look aus, der eher verheißte, die Videos würden privat gefilmt, da man einen echten Zugang zur Community hätte. Dadurch sah man auch eine ungewohnte Vielfalt an Körperformen.

Über die Jahre wurden die Filme künstlerisch anspruchsvoller. Sie nahmen zunächst Anleihen am künstlerischen Feld des Post/Porn und später auch an den ästhetischen Spielereien des Arthouse Porn. In den letzten Jahren versuchten sie sich schließlich auch vermehrt ökonomisch zu etablieren.
Die Arbeiten von Goodyn Green sind ein gutes Beispiel dafür. In diesem Interview spricht sie selbst davon, wie sie die Entwicklung von DIY Porn zu ihrem eigenen künstlerischen Anspruch mitmachte:

Prominentestes Beispiel für Queer Porn ist The Crashpad Series von Pink&White Productions von Shine Louise Houston und Jizz Lee.Was sie alle gemeinsam haben ist in der Regel eine ethische Produktionsweise und faire Bezahlung, während sie zusätzlich einen im Vergleich zu Fem Porn oder Arthouse Porn stärkeren Fokus auf Diversität bezüglich Schönheitsideale, Geschlechterrollen oder Identitäten des Begehrens in ihrer Repräsentation legen.

Queer Porn bleibt bislang das stärkste Genre in Sachen Diversität, nicht nur was sexuelle Identität, sondern auch was People of Color oder Disabilities betrifft. Gleichzeitig sehen wir ein aufweichen des akommerziellen Anspruchs. Während die Repräsentationspolitik also stärker ist denn je, könnte die Kapitalismuskritik im Porno ein starkes Zugpferd verlieren. Es könnte sich zum Versuch entwickeln, zu sehen, wieviel Vielfalt der Kapitalismus verträgt.

About The Author


Pat

Patrick ist Autor, Filmemacher und Kulturarbeiter und lebt in Wien. Er hat in Klagenfurt (AUT) und Breslau (PL) Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Angewandte Kulturwissenschaften studiert.

Er arbeitete bei Erika Lust und LUST FILMS in Barcelona, ehe er nach Wien zurückkehrte, um sich an der Universität für angewandte Kunst Wien seiner Doktorarbeit zu widmen. Er führt mit Adrineh Simonian die Firma Arthouse Vienna, die sich auf Queer, Feminist und Arthouse Porno spezialisiert.