Was bedeutet was? Filmbegriffe im Überblick

In der Filmpraxis- und Theorie gibt es viele Begriffe. Einige dieser Begriffe werden in unserem Blog und im Alltag oft verwendet, doch was bedeuten sie eigentlich? Alle wichtigen Filmbegriffe zu beschreiben, würde den Rahmen des Eintrags sprengen. Doch hier habe ich die wichtigsten gesammelt, die auf Purpurr und innerhalb der Themen, mit denen wir uns auf Purpurr auseinandersetzen, vorkommen. Ihr findet hier also Infos zu Queerbaiting, Gegenkino, Homosexualität im Film, Femme Fatale, Male Gaze, dem Pygmalion-Motiv und vielem mehr: 

 

Arthouse
Von Arthouse ist die Rede, wenn es um Nicht-Mainstream-Kino geht. Arthouse-Film bezeichnet eine Form des Kunstfilms. Wer mehr zu den Begriffen Arthouse und Arthouse-Pornografie wissen möchte, findet alle Details in Patricks Artikel: „Was ist Arthouse Pornografie“.

 

Avantgarde
franz.: avant garde = Vorkämpfer einer Idee, Vorhut
Früher galt Avantgarde als Überbegriff für viele verschiedene abstrakte Kunstrichtungen (Kubismus, Surrealismus, Dadaismus, Futurismus,…). Im Bereich des Films bezeichnet der Avantgardefilm inzwischen eine eigene Gattung. Den Avantgardefilm charakterisiert ein experimenteller Zugang. Tabuthemen, nicht lineare Erzählweisen und Dekonstruktion setzen ihn deutlich vom Mainstream-Film ab.

 

Bechdel-Test
Der Bechdel-Test wurde durch Alison Bechdel bekannt und soll die Darstellung und Repräsentation der Frau im Film thematisieren und kritisieren. Während eines Films müssen folgende Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, damit er den Bechdel-Test besteht: Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? Sprechen sie miteinander? Unterhalten sie sich über etwas anderes, als einen Mann?
Obwohl die Fragen lächerlich wirken, bestehen viele Filme den Test nicht.

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Chick Flick
engl.: chick = Kleine, junges Ding, Puppe; flick = Film
Chick Flick hat sich von seinem Gegenbegriff Dick Flick abgewandt und meint nun das, was unter Frauenfilm zu verstehen ist. Ein Chick Flick ist ein Liebesfilm aus weiblicher Sicht. Er handelt von Emotionen und Beziehungen und soll die Herzen der Frauen ansprechen. Dabei spielen die Frauen auch Hauptrollen und sind als tragende Figuren in der Handlung zu erkennen. Mehr Infos findest du weiter unten unter Frauenfilm.

 

Cinephilia und Cinephile
Cinephilia beschreibt ein leidenschaftliches Interesse an Film, Filmtheorie und Filmkritik.
Als Cinephiles werden Film-Enthusiasten beschrieben.

 

Close-up
Ein Close-Up ist die englische Bezeichnung für „Nahaufnahme“. Üblicherweise umfasst eine Nahaufnahme das Gesicht des Menschen. Natürlich kann diese Nähe auch auf andere Körperteile oder diverse Gegenstände übertragen werden. Ein Close-Up erzeugt durch die Nähe meist eine gewisse Intimität und Verbundenheit. Das Close-Up gilt als einer der Gründe, weshalb Film heute als Kunst gesehen wird. Im Gegenkino wird diese Einstellung oft herangezogen.
Im folgenden Beispiel sieht man eine Szene aus Like Crazy, die stark mit Close-Ups arbeitet. Man spürt den Unterschied in der Stimmung, sobald der Switch zur Nahaufnahme passiert:

 

Coming-Of-Age 
engl.: Coming-Of-Age = Heranwachsen, Erwachsenwerden, Adoleszenz
Filme in diesem Genre werden im deutschen oft „Jugendfilme“ genannt und befassen sich mit der Entwicklung vom Jugend- zum Erwachsenenalter. Die jungen Hauptdarsteller*innen werden mit Fragen über das Leben konfrontiert. Die Filme sind meist so gestaltet, dass sie für Jugendliche als auch für Erwachsene ansprechend sind.

 

Dick Flick
engl.: dick = Penis; flick = Film
Im Gegensatz zum Chick Flick, der die Gefühle eines weiblichen Publikums ansprechen soll, zielt ein Dick Flick auf das männliche Publikum. Dick Flicks zeigen Frauen als (Sex-)Objekte und konzentrieren sich vor allem darauf den sexuellen Instinkt der Männer anzusprechen.

 

Essayfilm
Der Essayfilm ist abstrakt. Er beinhaltet fiktionale und erzählerische Elemente und ist durch seine subjektive Herangehensweise charakterisiert. Beim Essayfilm geht es um den Versuch, ein Thema theoretisch und abstrakt zu behandeln. Sein Stil ist fragmentarisch und er bedient sich experimenteller Erzählformen. Der Essayfilm folgt oft dem Prinzip der Assoziationen und erzeugt keine zusammenhängende Struktur. Da das Subjekt und seine Gedanken, Gefühle und Reflexionen im Mittelpunkt stehen, gilt der Essayfilm auch als „Autorenfilm“, der dadurch ausgezeichnet ist, dass ein Autor und sein Zugang, seine Ästhetik und seine Gedanken im Mittelpunkt des Films und seiner Entstehung stehen.

 

Expanded Cinema
engl.: to expand = (sich) erweitern, ausweiten
Expanded Cinema beschäftigt sich vor allem mit dem Film als Medium. Die Eigenschaften des Films, seine Eigenheiten und Kunstfertigkeit, als auch seine Möglichkeiten dramaturgischer Strukturen werden dabei angesprochen. Deshalb fallen alle Filme, die den Rahmen üblicher Filmprojektionen mit Hilfe verschiedener Verfahren durchbrechen, in den Bereich des expanded cinema. Aufbrüche der vierten Wand, Film-im-Film-Sequenzen, Mehrfachprojektionen, selbstreferentielle Momente des Mediums, der Einsatz von Filmbildern im Theater oder Interaktionen mit Filmbildern während Performances, medienübergreifende Experimente usw. fallen in die Kategorie. Siehe auch weiter unten Gegenkino.

 

Experimentalfilm
Der Experimentalfilm ist ein Sammelbegriff für Filme, die dem Mainstream-Film nicht folgen und Film als Kunst und nicht zu Zwecken der Unterhaltung praktizieren wollen. Der Experimentalfilm ist selbstreferentiell, abstrakt und reflexiv. Das Filmische soll in ihm wahrnehmbar gemacht und die konventionellen Wahrnehmungs- und Bedeutungsgewohnheiten neu codiert werden. Die Möglichkeiten des Films sollen sichtbar werden. Es geht also um Verfremdungen, neue Zusammensetzungen und Bearbeitungen des Filmmaterials. Es geht um filmische Experimente. Der Begriff hat sich inzwischen an den der Avantgardefilme angenähert. Sie unterscheiden sich jedoch darin, dass der Experimentalfilm auch Medienkunst miteinbezieht. (Ps: experimentelle Sequenzen finden sich auch manchmal in konventionellen Spielfilmen).

. -#DzigaVertov

Ein Beitrag geteilt von Younes Shafiee (@younes_shafiee) am

 

Exploitation Film 
engl. exploitation = Nutzung, Verwertung, Ausbeutung
Der Begriff des Exploitation-Films wird als Bezeichnung für Gewaltfilme genutzt. Sie funktionieren meist durch das Anfachen reiner Schau- und Sensationsgier. Ihr Inhalt sind gewalttätige und blutige Szenen.

 

Femme fatale
franz. femme = Frau; fatal, -e = schicksalhaft, unvermeidlich, verhängnisvoll, unheilvoll
In der Figur der Femme Fatale wird eine Umkehrung der Geschlechterrollen spürbar. Femme Fatale sind vergleichbar mit einem Vamp. Sie sind sehr attraktiv, sexuell aufgeladen inszeniert und verführerisch. Sie sind gleichzeitig aber auch unabhängig und wissen sich durchzusetzen. Sie werden mit männlichen Attributen wie Anzügen, Zigaretten und Pistolen (Phallussymbole) inszeniert. Männer sind ihnen unterlegen, verfallen ihnen und werden von ihnen für ihre Zwecke ausgenutzt. Meist schweben diese Männer wegen ihnen in Gefahr. Eine Femme Fatale ist also eine starke und ökonomisch so wie sexuell unabhängige Frau, die für sich selbst einsteht und sich das holt, was sie will ungeachtet dessen, was Männer oder die Gesellschaft von ihnen verlangen zu sein. Femme Fatale kommen oft im Film Noir vor. Dabei wird auch der Blick des Mannes auf sie reflektiert. Dieser ist von Angst und Unsicherheit ihr gegenüber geprägt.
Wie genau sich dieser ängstliche, männliche Blick zeigt bzw wie er sich umkehrt, kann mit Hilfe dieses Artikels weitergedacht werden:  „Feministische Filmtheorien? Hallo Laura Mulvey“

 

Film Noir
Der Film Noir ist schwierig einzugrenzen. Größtenteils finden sich Filme aus den 40er- und 50er-Jahren in diesem Überbegriff wieder. Als Film Noir werden aber vor allem Filme mit einem bestimmten Look zusammengefasst. Sie sind düster, verwenden Schattenspiele und Low-Key-Beleuchtung und auffällige Hell-Dunkel-Kontraste. Sie handeln von Kriminalität und Mord, Geldgier und Eifersucht und sind von einer pessimistischen Weltsicht geprägt. In ihnen sind außerdem bestimmte Typen zu finden. Der Detektiv und die Femme Fatale sind dabei die bekanntesten. Während die Rolle des Detektivs und der Femme Fatale stark mit dem Film Noir assoziiert werden, sind sie dennoch nicht in jedem Film Noir zu finden.

 

Frauenfilm 
Der Frauenfilm wendet sich an ein weibliches Publikum und kann aus zwei Blickpunkten gesehen werden:
1) Frauenfilme sind eigentlich Filme, die aus einer weiblichen Perspektive heraus behandelt werden. Emanzipation und Feminismus sind diesen Filmen innegeschrieben. Die Regie wird von Frauen übernommen, so dass der weibliche Blick gesichert ist. Den Filmen geht es darum, ein richtiges und unabhängiges Frauenbild zu konstruieren und weibliches Bewusstsein in den Vordergrund zu stellen. Die Filmarbeit von Frauen nimmt in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu.
2) Inzwischen werden aber auch solche Filme als Frauenfilme verstanden, die speziell (vor allem von Hollywood) für Frauen konzipiert werden und als sehr kitschig empfunden werden. Man nennt solche Filme auch chick flicks (siehe weiter oben). Am Ende dieser Filme findet die schwache Frau natürlich immer ihr Happy End in der Beziehung zu einem starken Mann, der sie somit auffängt und rettet. Diese Frauenfilme unterliegen paradoxerweise einem männlichen Blickmuster und vermitteln absolut keine emanzipatorische Kraft mehr. Sie sind leider immer noch die Regel als die Ausnahme. Auch Makeover-Filme zählen zu dieser Kategorie.

 

Gegenkino
Das Gegenkino stellt eine Gegenbewegung zum konventionellen Kino dar.
1) Experimental- und Avantgardekino finden in ihm ihre Bühne. Gegenkino stellt also einen Überbegriff für filmische Erzähl- und Repräsentationsformen bereit, die sich vom Mainstream absetzen (wollen). Dabei handelt es sich um Aufbrüche räumlicher und zeitlicher Kontinuität, Verfremdungen, Dekonstruktionen, Zerstörungen der Kino-Illusion usw. Kommerzielle Strukturen werden abgelehnt und ästhetisch und ideologisch neu zusammengesetzt. Die Kategorien des Gegenkinos bieten außerdem keine fertige Realität in ihrem Filmen an, in die das Publikum eintauchen kann. Die Zuseher*innen müssen sich selbst in die Deutungsarbeit miteinbeziehen. Die Form ist so offen, dass aus verschiedenen Perspektiven Reflexionen entstehen können.
Es geht darum durchsichtig zu machen, wie Film (und vor allem Hollywood) funktioniert und durch Experimente neue filmische und künstlerische Strategien auszuprobieren, um zu kritisieren und neue Zugänge zu schaffen.
2) Claire Johnston hat die Idee stark gemacht, dass auch feministische Filme als Gegenkino funktionieren können. Filme, die von Frauen gemacht werden und deshalb konventionelle Muster aufbrechen und kritisieren (und experimentelle Formen beinhalten), hätten demnach auch die Kraft eine Gegenbewegung zu Hollywood darzustellen.

 

Kader
auch: frame oder Einzelbild genannt
Ein Kader bezeichnet ein einzelnes Bild auf einem Filmstreifen. Es ist abgegrenzt durch seine Längs- und Querseiten. Ein Filmstreifen besteht aus mehreren Einzelbildern, die nacheinander belichtet und projiziert werden, so dass ein bewegtes Bild entstehen kann. Um eine fließende Bewegung zu erzeugen, werden im Normalfall 24 solcher Einzelbilder pro Sekunde hintereinander gezeigt.

 

Lesbische Frauen im Film
Lesbische Figuren werden im Mainstream-Film nur selten gezeigt. Sobald es um Homosexualität geht, wird die männliche Homosexualität in den Fokus gerückt und die weibliche fällt in den Hintergrund. Wenn lesbische Charaktere doch gezeigt werden, unterliegen sie dem male gaze. Weibliche Homosexualität wird also als anziehend für Männer inszeniert und lesbische Frauen somitt als (Sex-)Objekte. Außerdem unterliegen lesbische Figuren vielen Klischees. Oft werden sie als maskulin inszeniert. Sie bekommen dann viele männliche Attribute (Uniform, Motorrad, Waffe, Anzug,…) und eine sexuelle Dominanz zugeschrieben. Eine realistische und relevante Darstellung von homosexuellen Frauen im Film ist bislang an homosexuelle Filmemacherinnen gebunden, die im Zuge des Queer Cinema an Präsenz gewinnen.

 

Makeover-Filme
engl.: makeover = Veränderung, Umstyling
Der bekannteste Makeover-Film ist Cinderella. In Makeover-Filmen wird die Reduzierung der Frau auf ihre Oberfläche besonders stark angesprochen, denn ein bestimmtes Aussehen der weiblichen Hauptfigur wird innerhalb der filmischen Handlung angestrebt, um ein bestimmtes Ziel (meist das Interesse des Mannes) zu erreichen. In einer großen Makeover-Szene wird innerhalb dieser Filme die zuvor schüchterne und unsichtbar wirkende Protagonistin umgestylet und somit zum vollkommeneren Ich verwandelt. Anschließend gefällt sie ihren Mitmenschen und wird aufgrund ihres veränderten Aussehens wahrgenommen und sogar beliebt. Ihr Schwarm verliebt sich endlich in sie. Makeover-Filme werden der Rubrik des Frauenfilms zugeschrieben. Beispiele sind: Pretty Woman, Clueless, She’s All That, Mean Girls, Maid in Manhattan.

 

Male Gaze
engl.: male = männlich; gaze= Blick
Der male gaze bezeichnet männliche Schaulust und in Folge dessen die fetischierte Inszenierung der Frau im Film. Laura Mulvey erkannte, dass der Blick im Film nur männlichen Sehgewohnheiten und Perspektiven folgt. Die Frau im Film fungiert folglich nur als lustvolles Objekt. Sie ist dem Blick des Mannes ausgeliefert. Das bedeutet, dass sie einerseits vom männlichen Hauptdarsteller erotisiert angesehen wird- mit ihm identifiziert sich das Publikum- aber auch vom Kamerablick, der dem Blick des Hauptdarstellers folgt. Der männliche Blick wird somit unumgänglich und (durch das Kameraauge hindurch) von den Zuseher*innen übernommen. Die Frau wird unterdrückt und objektifiziert. Laura Mulveys Theorien bieten auch heute noch wichtige Grundlagen für die feministische Filmtheorie.
Mehr zu Laura Mulveys spannenden Erkenntnissen, wie Frauen im Film inszeniert werden, findest du hier: „Feministische Filmtheorien? Hallo Laura Mulvey!“

 

New Queer Cinema
Der Begriff des New Queer Cinema wurde 1992 von B. Ruby Rich eingeführt. Es stellt eine Strömung queeren Filmschaffens dar, das in den 90er-Jahren vorwiegend durch amerikanische Independent-Filme aufgeblüht ist. Die Selbstidentifikation der Filmemacher*innen als „queer“ war ein wichtiges Element für die Strömung. Beim New Queer Cinema wird Homosexualität in den Mittelpunkt gestellt, ohne diese zu erklären oder an das Wissen eines Mainstream-Publikums (beispielsweise durch Anwendung von Klischees) anzupassen. Es wird also wichtig, Schwule und Lesben in Filmen selbstverständlich einzusetzen und als realistische Menschen zu inszenieren, fernab von Klischees. Ästhetisch gesehen gehen die Filme des New Queer Cinema in zwei Richtungen. Einerseits sind sie trashig gemacht: die Kamera wackelt, die Farbe ist spröde, modriges Setting. Andererseits sind sie hochwertig: sattes Licht, tolle Bildkompositionen, glamouröse Ausstattung. Beide Macharten sind sich dahingehend einig, sich vom (heterosexuell orientierten) Mainstream absetzen zu wollen. Heute gilt das New Queer Cinema als ein Moment kreativer Schaffenskraft, doch es ist kurz nach seinem Entstehen auch schon wieder abgeebbt.
2004 ernannte B. Ruby Rich die Strömung als beendet, nachdem queere Themen in den Mainstream Einzug fanden, jedoch nicht mit der Repräsentation die angemessen wäre, sondern mit einfach gehaltenen Charakteren, die leicht zur Identifikation einladen.

 

POV
POV steht für Point-Of-View und wird im Film als Point-Of-View-Shot (Shot = Schuss) verwendet. Der Begriff bezeichnet eine Einstellung, die die subjektive Sicht einer Figur zeigt. Bei einem POV-Shot zeigt das Filmbild, was die Figur aus ihrer Position aus sieht. Dadurch wird das Gefühl vermittelt, in der Haut der Figur zu stecken.
In der Pornografie wird beispielsweise der POV-Shot oft eingesetzt, um vor allem den männlichen Zusehern das Gefühl zu vermitteln, selbst der Handlungsträger und somit Mitten im Geschehen zu sein.

 

Pygmalion-Motiv 
Dieses Motiv findet sich in (Hollywood-)Komödien und Melodramen. Der Begriff geht auf Pygmalion zurück, der sich in die Statue einer Frau verliebte, die er selbst als Bildhauer geschaffen hatte. Aphrodite erweckte diese auf Pygmalions Bitte hin zum Leben.
Im Film wird das Motiv folgendermaßen eingesetzt: ein (meist älterer) Mann erschafft die perfekte junge Frau, indem er sie erzieht, sie aufhübscht und ihr beibringt, wie sie sich als Frau in der Gesellschaft zu benehmen hat. (klingt verrückt, findet sich aber oft versteckt wieder).
Filme, die mit dem Pygmalion-Motiv arbeiten, werden manchmal zu einer Liebesgeschichte. In diesem Fall ist es am Ende des Films dann die Frau, die dem Mann etwas beibringt. Allerdings nur auf Gefühlsebene. Das Pygmalion-Motiv geht meist mit einem Makeover einher und kann manchmal auch als Makeover-Film verstanden werden. Bekannte Filme, die diesem Motiv folgen, sind: My Fair Lady, Miss Congeniality.

 

Schwule Männer im Film
Homosexualität wird im Mainstream-Film unserer heterosexuellen Gesellschaft selten gezeigt. Wenn schwule Männer gezeigt werden, dann meist als Klischee. Da gibt es einerseits den weiblich inszenierten Schwulen, der modisch und oberflächlich ist, freche Kommentare gibt und mit den Frauen über Männer redet. Ihn kann man als „passiv“ eingliedern. Außerdem wirkt er als ein Element für Komik.
Andererseits gibt es den sehr männlich inszenierten Schwulen. Er kann als „aktiv“ gesehen werden und wird meist mit einer aggressiven, abnormalen Sexualität verbunden.
Inzwischen greift die Hollywood-Komödie immer wieder auf schwule Nebenfiguren zurück, die nicht so extrem in die Klischees passen. Sie sind dennoch meist austauschbar und harmlos.
Eine realistische und relevante Darstellung von schwulen Männern im Film ist vor allem an die Arbeiten schwuler Filmemacher innerhalb eines queeren Gegenkinos gebunden. Seit den 80er-Jahren findet im Zuge des Queer Cinema ein Aufschwung in dieser Hinsicht statt.

 

Queerbaiting
engl.: bait = Köder
Queerbaiting wird in Serien oft als Strategie eingesetzt, bei der homoerotische Subtexte in Beziehungsmuster der Figuren eingefädelt werden. Das bedeutet, dass in der Handlung der Serie homoerotische Verbindungen zwischen den Figuren nahegelegt werden, um Spannung und Neugierde zu erzeugen und eine homosexuelle Zuschauergruppe an Land zu ziehen, aber niemals explizit als solche aufgelöst werden. Queerbaiting wird deshalb als ausbeutende Strategie empfunden. Beispiele: Supernatural, Sherlock, Rizzoli and Isles, Pitch Perfect 3.

Ein von @equally.lgbt geteilter Beitrag am

 

Queer Cinema / Queerer Film
engl.: queer = besonders, seltsam, eigenwillig 
Queer Cinema bezieht sich auf den Inhalt der Filme. Es geht in den Filmen also um die Repräsentation von Themen, die der LGBTQ+ Community entsprechen. Die Filme bewegen sich somit innerhalb der Perspektiven von queeren Menschen und nehmen Bezug auf verschiedene Sexualitäten.
Auf der anderen Seite geht es beim Queer Cinema darum, Normen aufzubrechen und zu hinterfragen, was oft durch experimentelle Formen im Film umgesetzt werden kann.
Mehr Infos zu diesem Begriff, findet ihr in diesem tollen Interview mit Thekla Jahn: Queen Cinema. Zwischen Mainstream und Radikalität. 

 

Vierte Wand
Die Metapher der vierten Wand stammt eigentlich aus dem Theater und bezeichnet die Trennung zwischen Bühnen- und Zuseher*innenraum. Diese Form der sogenannten Guckkastenbühne erlaubt den Zuseher*innen das Spiel unbeobachtet zu beobachten. Die Figuren auf der Bühne verhalten sich dabei, als würde diese Sicht-Öffnung nicht existieren. Im Film spielt die vierte Wand ebenfalls eine Rolle und wird durch die Kamera erzeugt.
Durch die vierte Wand kann in beiden Fällen eine geschlossene Realität präsentiert werden. Blicke in die Kamera oder das Ansprechen des Publikums brechen die vierte Wand und somit die Illusion auf.

 

 

 

Quellen: http://filmlexikon.uni-kiel.de