„Oh, das hätte mir auch passieren können“ – Studentischer Porno von Feuerzeug aus Freiburg

Es gibt immer mehr Alternativen zum herkömmlichen Porno und eines der spannendsten Projekte ist Feuerzeug aus Freiburg. Die Studierenden Kira und Leon haben das ganze als Start-Up über einen Inkubator hochgezogen und veröffentlichen nun schon ihren zweiten Film, nachdem ihr Erstlingswerk „retour“ enthusiastisch aufgenommen wurde. Ein Interview mit den beiden.

   

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von feuer.zeug (@feuer.zeug) am

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Pornos zu produzieren?

Tatsächlich vor allem durch Zufall. Wir hatten uns beide schon vorher mit der Thematik Porno auseinandergesetzt und uns dann zusammen darüber unterhalten. Kira hatte bereits eine Idee, zu produzieren und gemeinsam haben wir uns dann entschieden, da ein Projekt draus zu machen.

 

Was ist euch dabei wichtig? Was für Pornos wollt ihr bei Feuerzeug machen? 

Wir wollen fair und feministisch produzieren, Vielfalt zeigen und verschiedene Sexualitäten gleichberechtigt darstellen. Wir wollen Pornos machen, mit denen wir uns identifizieren können, in denen Rollenbilder aufgebrochen werden.

 

Was heißt das für die konkrete Umsetzung? Wie achtet man auf diese Dinge dann im Arbeitsablauf?

Beim zweiten Film haben wir uns zum Beispiel sehr bewusst für das Thema Masturbation entschieden, um hier eine vielfältigere Darstellung zu schaffen. Da geht es dann um die Frage, welche Art von Bildern wir zeigen möchten. Bei der Produktion bedeutet es ganz konkret, Schlüsselpositionen nicht nur mit Männern zu besetzen, klare Verträge und Absprachen zu haben und einen Awareness-Contact am Set, der/die sicherstellt, dass Grenzen zu allen Zeiten eingehalten werden. Und uns ist auch wichtig, dass insgesamt eine angenehme, entspannte Atmosphäre herrscht, man zum Beispiel gemeinsam isst und sich als Team schon vor dem Dreh kennenlernt.

 

 

Bei den meisten anderen sieht man sehr fantasiereiche bis unrealistische Szenarien, eure Stories sind sehr lebensnah. Ist euch das wichtig?

Ja, das ist uns tatsächlich sehr wichtig. Fantasievolle, künstlerische oder auch abstrakte Filme sind super und sind für viele Menschen genau das, was sie sehen wollen. Uns ist aber aufgefallen, dass im alternativen Pornobereich noch nicht so viele Filme mit Sex in realistischen Settings gemacht werden. Filme, bei denen man sich denkt „Oh, das hätte mir auch passieren können“. Wir finden es sehr wichtig, dass es auch solche Filme gibt. Zum einen, weil die Repräsentation von Sexualitäten im Film genauso vielfältig sein sollte wie in der Realität und zum anderen, weil solche Filme vielleicht auch niederschwelliger zugänglich sind, wenn ich mich noch nicht mit alternativer oder feministischer Pornographie auseinandergesetzt habe.

 

Wie kommt ihr auf eure Geschichten? Überlegt ihr euch das selbst?

Unser erster Film basiert tatsächlich auf einer wahren Begebenheit. Beim zweiten Film hatten wir uns zuerst das Thema Masturbation ausgesucht und dann hat das Regie- und Drehbuchteam eine Geschichte außen rum gebaut.

 

Feuerzeug Films Seeseiten Studentisches Startup Pornos

 

Ihr fliegt euch keine Profis aus Berlin oder Barcelona ein. Ist es nicht schwer Leute zu finden, die bereit sind, vor der Kamera Sex zu haben?

Beim ersten Film waren wir noch ganz am Anfang und unbekannt, da war das natürlich nicht so einfach. Jetzt für den zweiten Film hatten wir auf unseren Performer-Call über die sozialen Netzwerke sehr viele Rückmeldungen. Bisher klappt es also ganz gut und wir hoffen natürlich, dass das so bleibt!

 

Wie geht es denen dann, wenn es zur Sexszene kommt? Verläuft das immer reibungslos?

Unser Ziel beim Dreh ist, dass sich alle wohlfühlen. Die Performer*innen lernen also das Team vor dem Dreh kennen und wissen dann auch, wer zum Beispiel Kamera machen wird. Bei unseren bisherigen zwei Drehs liefen die expliziten Szenen tatsächlich sehr problemlos. Wichtig ist, dass bei Sexszenen so wenige Menschen wie möglich dabei sind und, dass es keinen Zeitdruck gibt. Sexszenen sind bei uns auch nicht gescriptet, das heißt, die Performer*innen entscheiden selbst, was sie der Kamera zeigen.

 

Wie glaubt ihr, dass es mit Feuerzeug weitergeht?

Pläne und Ideen haben wir ganz viele. Im Mai wollen wir mit dem gesamten Team anfangen zu überlegen, welche Filmprojekte die nächsten sind. Außerdem haben wir vor, mehr Veranstaltungen und Filmvorführungen auch außerhalb von Freiburg zu organisieren, um Räume zu schaffen, in denen man offen über Pornographie diskutieren kann. Das ist natürlich gerade jetzt recht schwierig zu planen, aber das hat ja Zeit. Und wenn alles glatt geht, gibt’s dieses Jahr vielleicht auch noch die erste Indie Porn Night in Freiburg.

 

Den zweiten Film von Feuerzeug seht ihr bei Arthouse Vienna