Schwangerschaftsabbruch in der Krise: wie wirkt sich Corona auf das Recht auf Abtreibung aus?

 Der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ist immer schon prekär. Doch während der Corona-Krise verschlechtert sich die Situation noch einmal drastisch. Eine ungewollte Schwangerschaft – nicht der Abbruch! – ist eine massive Notsituation, deshalb muss die Abtreibung als notwendiger medizinischer Eingriff gesehen werden. Und das nicht nur während einer Pandemie. Wie hat sich der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen während der Corona-Krise verändert und welche Rolle spielt die Politik in dieser Situation?

 

Die Lage ist angespannt. Sowohl im deutschsprachigen Raum als auch weltweit beeinflusst Covid19 den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch. Dabei gibt es keine einheitlichen Lösungen über Landesgrenzen hinweg. Nationale Gesetzgeber*innen entscheiden, wer, wann, wie Zugang zu einer Abtreibung hat. Auch wenn es wichtig ist, jetzt Krankenhausressourcen zu schonen, kann das nicht bedeuten, ungewollt Schwangeren den Zugang zum Abbruch zu verwehren. Den Eingriff als „medizinisch nicht notwendig“ zu framen, bringt das Selbstbestimmungsrecht von schwangeren Personen in Gefahr.

Erschwerter Zugang während Covid19 

Ein großes Problem ist der eingeschränkte Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen während Covid19. Kein einziges öffentliches Spital führt in Österreich noch Abbrüche durch. Ungewollt Schwangere müssen deshalb auf private Ambulatorien zurückgreifen, die noch dazu teurer sind. Eine weitere Hürde stellt die eingeschränkte Bewegungs- und Reisefreiheit dar: Reisen von Österreich oder Deutschland in ein anderes europäisches Land, um eine Schwangerschaft zu beenden, sind unmöglich geworden. Genauso können auch Personen aus osteuropäischen Länder nicht mehr hierherkommen. Wie Personen zu einem Abbruch kommen, deren Wohngegend unter Quarantäne steht, ist unklar.

In Deutschland stellen die Beratungsfrist und die Wartezeit eines der größten Probleme dar. Aufgrund von Covid19 haben viele Beratungsstellen komplett geschlossen oder ihr Angebot stark eingeschränkt. Es kommt zu längeren Wartezeiten, die dazu führen kann, dass die gesetzliche Frist bis zu der ein legaler Abbruch straffrei ist, nicht eingehalten werden kann.

Freigabe der Abtreibungspille für Home-Use

Um einen Versorgungsengpass zu verhindern, fordern Pro-Choice-Aktivist*innen die Abgabe der sogenannten Abtreibungspille zu erleichtern. In Österreich darf diese bisher nur in Krankenanstalten ausgegeben werden. Die Lockerung dieses Gesetzes fordert auch die Petition #AbortionInCrisis – Sicherer Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen auch in der Corona-Krise aus Deutschland:

„Der sogenannte Home-Use von medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen mit telemedizinischer Begleitung muss geprüft und offiziell erlaubt werden (nach den Richtlinien der WHO).“

Einzig Groß Britannien hat während der Pandemie das Gesetz gelockert und gibt ab sofort die Abtreibungspille für den Home-Use frei. Ungewollt Schwangere müssen also nicht mehr in Kliniken und können sich so vor einer möglichen Corona-Infektion schützen.

Abtreibungsrechte unter Beschuss  

Die Situation wird aber auch ausgenutzt: Das polnische Parlament stimmte im April über die Einschränkung des Abtreibungsrechts ab; auch sexuelle Bildung sollte unter Strafe gestellt werden. Das polnische Abtreibungsgesetz gilt bisher als eines der strengstens in Europa. Das Parlament stimmte „in ihrer ersten Lesung für den Gesetzesentwurf, verwies ihn aber in einer zweiten Lesung erneut zurück in die parlamentarischen Ausschüsse“ schreibt das Bündnis sexuelle Selbstbestimmung in ihrer Pressemitteilung – ein „bittersüßer Sieg“ für reproduktive Selbstbestimmung.

Auch in den USA verschärft die Corona-Krise die rechtliche Lage. So werden im Bundesstaat Tennessee und Texas beispielsweise Abtreibungen während der Pandemie nicht durchgeführt. Sie gelten, so die zuständigen Politiker*innen, als „non-essential medical procedures“. Außerdem soll Krankenhausequipment für „lebensnotwendige Eingriffe“ eingespart werden. Die temporäre Änderung des Gesetzes wurde selbstverständlich unter dem Deckmantel der Covid19-Eindämmung vollzogen.

 

Weltweit wirkt sich die Corona-Krise stark auf den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch aus. In Deutschland und Österreich können die eingeschränkten Möglichkeiten an Beratungsstellen und Ambulatorien zu einem Versorgungsengpass führen. In Polen und der USA nutzen Politiker*innen die Situation aus, um die hart erkämpfte und bei weitem nicht zufriedenstellende gesetzliche Lage weiterhin zu verschärfen. Die Situation ist äußerst prekär und verlangt deshalb eine feministische und progressive Politik, die nur heißen kann:

#prochoice – freier Zugang zu legalem und sicherem
Schwangerschaftsabbruch

 

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Weitere Infos zum Thema Schwangerschaftsabbruch während der Corona-Krise könnt ihr hier nachlesen und nachhören:

 

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Sophie

Ausgebildete Sexualpädagogin, Studium der Gender Studies. Sophie beschäftigt sich mit Themen wie Bodyimage, Sex und Geschlechtergleichstellung.