Let´s talk about: Privilegien

Ich bin eine weiße heterosexuelle Frau und nehme mich als cisgender* wahr. Ich bin körperlich gesund und verfüge über (ausreichend) soziales, ökonomisches, kulturelles und symbolisches Kapital, um an „der Gesellschaft“ zu partizipieren. Außerdem besitze ich einen österreichischen Pass und habe ein hohes Ausbildungsniveau. Und wie privilegiert bist du?

 

Was sind Privilegien?

Privilegien sind unverdiente Vorteile, die eine Person einfach so genießt und das beispielsweise von Geburt an. Dadurch wird deutlich, dass die meisten Privilegien nicht erkämpft werden müssen, sondern schon immer da sind und deshalb als Selbstverständlichkeiten wahrgenommen werden. Privilegien bzw. im Gegensatz dazu prekäre Lebenssituationen sind für die Situiertheit von Personen im gesellschaftlichen Verfüge verantwortlich. Werde ich mit weißer oder Schwarzer Hautfarbe geboren? Lebt die Familie, in der ich aufwachse, im globalen Süden oder im globalen Westen? Entspreche ich den vorherrschenden heteronormativen Vorstellungen von Sexualität?

Folgen oder Auswirkungen bestimmter Privilegien zu analysieren, ist oft schwierig, da Privilegien nicht linear verlaufen bzw. singulär auftreten. Viel eher wirken sie zusammen und überlagern sich. Sogenannte „Ausgangsprivilegien“ wie Hautfarbe, Geschlecht oder körperliche Situiertheit können Privilegien, die im Laufe des Lebens noch dazu kommen, beeinflussen. Ein weißer, heterosexueller Mann wird demnach eher finanziellen Wohlstand erreichen als eine rassistisch markierte Person aus sozioökonomisch prekärem Background.

Wie mit den eigenen Privilegien umgehen? (Sei eine Ally)

Prinzipiell gilt: Personen können nichts dafür, mit bestimmten Privilegien auf die Welt zu kommen. Um nicht an Machtverhältnissen und Formen der gesellschaftlichen Unterdrückung und des Ausschlusses teilzuhaben, ist es sinnvoll, über Privilegien zu sprechen und sich mit ihnen kritisch auseinanderzusetzen.

Wenn ihr Zeug_in davon seid, wie eine andere Person benachteiligt oder ungerecht behandelt wird, kann es sinnvoll sein, auf diese Ungleichbehandlung aufmerksam zu machen und darauf hinzuweisen, dass in einem Gespräch zum Beispiel bereits andere Teilnehmende das gleiche gesagt haben bzw. noch nicht zu Wort gekommen sind. Sich für andere einzusetzen ist jedoch nicht immer und in allen Situationen möglich. Könnte die Auseinandersetzung vielleicht zu viel Energie kosten oder sogar gefährlich sein? Eine Allianz für marginalisiert positionierte Menschen zu sein, kann auch heißen, ihnen den Vortritt zu lassen und die eigene weiße Perspektive hintanzustellen.

 

Bildunterschrift: Equality (Gleichheit) und Equity (Gerechtigkeit) sind nicht das selbe. Es sollten nicht alle Personen die gleiche Unterstützung erfahren, sondern individuell, um Nachteile auszugleichen.

Einige Menschen tun sich sehr schwer damit, die eigenen Privilegien anzuerkennen. Ich fragt euch warum? Weil oft ein Bewusstsein für die eigenen Vorteile im Leben mit der Angst einher geht, Privilegien zu „verlieren“ und dem Eingeständnis, dass es Menschen gibt, denen es weitaus schlechter geht als einem selbst.

Von welchen Privilegien profitieren weiße Menschen?

Peggy McIntosh, US-amerikanische Feministin, Anti-Rassismus Aktivistin und Wissenschaftlerin, setzt sich in ihrem Text „White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack“ mit dem Privileg weißer Menschen auseinander. In ihrem Text zählt sie Aspekte auf, die für weiße Menschen selbstverständlich sind, für People of Colour jedoch nicht.

McIntosh schreibt zum Beispiel: Wenn ich den Fernseher aufdrehe oder ein Magazin aufschlage, kann ich davon ausgehen, von anderen weißen Menschen repräsentiert zu werden. Kaufe ich Make-Up oder „hautfarbene“ Bandagen, entsprechen diese meinem Hautton. Brauche ich juristische oder medizinische Hilfe, erschwert mir meine Hautfarbe nicht den Zugang. Ich werde nie gefragt, für alle Menschen meiner „ethnischen Community“ zu sprechen.

 

What is Privilege?

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Let´s talk about: Privilegien soll eine Einführung zum Thema Privilegien sein und kann deshalb nicht dem Anspruch gerecht werden, sich mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Konzepten ausführlich auseinanderzusetzen oder auf die vielen Ausprägungen von Privilegien einzugehen.

Ihr wollt euch intensiver mit Privilegien, Weißsein und gesellschaftlichen Normierungen auseinandersetzen?  Dann habe ich hier einige Leseempfehlungen für euch:

Hier gehts zum ersten Artikel mit dem Thema Konsens aus der Reihe „Let´s talk about“!

* Cisgender bedeutet, dass meine Geschlechtsidentität mit meinem Geschlecht übereinstimmt, welches mir bei der Geburt zugewiesen wurde

About The Author


Sophie

Ausgebildete Sexualpädagogin, Studium der Gender Studies. Sophie beschäftigt sich mit Themen wie Bodyimage, Sex und Geschlechtergleichstellung.