Bank-Austria Salon, Patrick Catuz und Christine Bauer-Jelinek

Kann man Feministin und gegen Abtreibung sein?

Foto: ©Bank Austria Salon

Das fragte mich  Christine Bauer-Jelinek am Podium des Bank-Austria Salon. Es gibt im Feminismus ja viele verschiedene Sichtweisen. Doch es ist nicht verwunderlich, dass diese hier von außen kommt. 

Der Diskussionsabend lief sehr offen zum Thema „Gender“. So unspezifisch es klingt, so klar orientierte sich die Debatte an der Frage, ob Feminismus überhaupt noch nötig sei. Oder ob er nicht sogar schon eher schade, wie meine Mitdiskutantin befand. Früher sei sie Feministin gewesen.  Doch den modernen Feminismus hält Bauer-Jelinek für einen Rückschritt, der den Zusammenhalt der Gesellschaft bedrohe. Die Wirtschaftstrainerin promotet eine Abkehr vom Feminismus sehr hartnäckig, obwohl sie selbst meint, dass sie davon profitiert hätte. Sie ist eine erfolgreiche, bekannte und gutverdienende Frau. Vom hohen Ross erkennt man wohl schwer wie unwegsam der Boden für andere immer noch ist. Nun ist sie eine antifeministische Stimme. Und in den Positionen offensichtlich näher am Rechtspopulismus, als am jungen Feminismus.

 

Gibt es einen Feminismus, der gegen Abtreibung ist?

Die Antwort lautet nämlich „Nein, kann man nicht.“ Wie feministisch ein jeweiliger Feminismus ist, lässt sich debattieren. Auch bezichtigen sich FeministInnen noch am leidenschaftlichsten dessen, nicht feministisch genug zu sein. Zwischen Fristenlösungen und pränataler Diagnostik gibt es Grauschattierungen, die schwer ein klares, eindeutiges Urteil treffen lassen. So ist es nun mal, wenn man ethische Überlegungen anstellen muss, anstatt sich einfachen moralischen Handlungsvorgaben zu bedienen. Innerhalb dieses Rahmens ist man im Feminismus allerdings nirgendwo gegen Abtreibung. Es geht nur um den Rahmen, innerhalb dessen sich eine Frau frei entscheiden kann. Die Gegner der Abtreibungsgegner sind also auch nicht für Abtreibungen. Niemand soll abtreiben. Es geht um den Rahmen der Möglichkeit und die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper.

Wenn Frau Bauer-Jelinek also fragt, ob man feministisch und gegen Abtreibungen sein kann, so ist sie gegen diese Möglichkeit. Ich gab die Frage an sie zurück und meinte, sie solle es mir beantworten. Wie feministisch ist es, die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper per Gesetz zu unterwandern? Oder, um mich auf aktuelle Beispiele der Gesetzesentwürfe der klerikal-radikalen PiS in Polen zu beziehen: Wie feministisch kann es denn sein, Abtreibung zu verbieten, selbst wenn Gesundheit oder sogar das Leben der Frau davon abhängen? Wie feministisch ist es, eine Frau dazu zwingen zu wollen, ein Kind auszutragen, selbst wenn es Ergebnis einer Vergewaltigung ist?

Sehr geehrte Frau Bauer-Jelinek, sie wollen ja eh keine Feministin mehr sein. Das ist schade, denn Feminismus kann ganz viel bedeuten und als so erfolgreiche Frau hätten sie viel beizutragen. Aber Feministin und für ein Verbot der Abtreibung, das geht wirklich nicht.

 

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Patrick Catuz, Autor, Feministische PornographiePatrick Catuz ist Autor, Filmemacher und Kulturarbeiter und lebt in Wien. Er ist Doktorand an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Er ist Autor des Buches „Feminismus fickt!“, das sich mit den Perspektiven feministischer Pornographie beschäftigt und produziert gegenwärtig bei Arthouse Vienna feministische, queere und künstlerische Pornographie.

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