Patrick Catuz mit seinem Buch "Feminismus fickt!"

„Feminismus fickt!“ – Perspektiven feministischer Pornographie

„Feministische Pornographie ist ein junges Phänomen und doch nur der konsequente nächste Schritt. Denn Porno ist nichts ontologisch Männliches, Frauen wurden bloß seit jeher ausgeschlossen.“

 

Feminismus fickt!
Die Pornoindustrie wird von Frauen aufgemischt

Die Pornoindustrie wurde lange genug von Männern dominiert. Es hat sich eine Reihe an Pornographinnen dazu aufgemacht, die männlich dominierte Industrie herauszufordern. Und das mit Erfolg. Erika Lust, Petra Joy, Tristan Taormino, in Österreich Adrineh Simonian mit ihrer Firma Arthouse Vienna – sie alle erreichen eine immer größere Öffentlichkeit. Es ist nicht nur ein symbolischer Kampf. Dabei handelt es sich um Pornofilme, die nicht nur von Frauen und (auch) für Frauen gemacht werden. Es sind Produktionen, die sich von den Gepflogenheiten der herkömmlichen Pornoindustrie deutlich unterscheiden. Dabei ändern sie die Art und Weise, wie mit Körpern und Sexualität Geschäft gemacht wird.

Dieses Phänomen unterliegt einer geschichtlichen Entwicklung. Im Early Cinema waren Frauen sogar vom Konsum von Pornos ausgeschlossen. Der fand größtenteils auf Herrenparties und in Bordellen statt. Es sollte dazu angeregt werden, dass Männer die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen.
Der Porno brauchte länger um sich zu elaborierten Spielfilmen zu entwickeln. In den 70ern schließlich begann das Golden Age und Pornographie erreichte mit Massenerfolgen wie „Deep Throat“ eine breite Öffentlichkeit. Auch viele Frauen liefen in die Kinos, Darstellerinnen wurden zu Ikonen des modernen Pornokinos. Von Männern gemacht und zu deren Profit. Denn Frauen waren von den Hebeln der Macht immer noch ausgeschlossen. Entsprechend bedienen sich diese Filme kruder männlicher Phantasien über weibliche Körper und Sexualität. Wofür besagter „Deep Throat“ das beste Beispiel ist, verlagerten sie doch die Klitoris in den Rachen der Frau, um sie mit gleichnamiger Praktik zum Orgasmus bringen zu müssen. Im Film wird bezeichnenderweise ihr Orgasmus dann mit seiner Ejakulation dargestellt.

Die problematische Darstellung der Frau und die fragwürdigen Verhältnisse in der Industrie riefen bald auch die feministische Pornokritik auf den Plan. Am bekanntesten wurde die Anti-Porno-Bewegung. Vertreterinnen wie Dworkin und McKinnon oder im deutschsprachigen Raum Alice Schwarzer forderten ein Verbot der Pornographie. Sie waren jedoch nie die einzige feministische Position zu Pornographie. Auch damals nicht. Nur jene, die am meisten Aufmerksamkeit erhielt. Ein paar Jahrzehnte später – die Pornoindustrie um keinen Deut besser, durch Amateur und Gonzo eher grobschlächtiger geworden – kommt es zum pornographic turn in der feministischen Bewegung: Vom Kampf gegen Pornographie, wenn nötig auch vor Gericht, hin zu feministischen Pornographinnen, welche die Industrie von innen aufmischen.

 

„Unser Mittel ist die Kritik, unsere Absicht, etwas Neues zu schaffen. Dabei dürfen wir keine Angst haben, uns die Hände schmutzig zu machen.

Neue Pornokritik in der Theorie. Feministischer Porno in der Praxis.“

 

 

Feministische Pornographie

Der feministische Porno hat seine ersten Schritte schon in den 90er Jahren mit Candida Royalle getan. So richtig etablieren konnte er sich in den letzten zehn Jahren. Er ist aber immer noch eine Nische. Bildsprachlich und ökonomisch bewegt sich jede neue Intervention wieder ein Stückchen weiter weg vom Mainstream. Und doch beugt sich jedes etablierte Haus mit der Zeit auch ein Stück weit der kommerziellen Marktlogik und letztlich auch pornographischen Standards. Man gewinnt etwas, man verliert etwas. Letztlich ist eine kritische Haltung  – in meinem Fall eine selbstkritische – immer notwendig. Um offen zu sein für Konjunkturen und Revisionen. Wir werden nichts verändern, wenn wir es nicht wagen, tief hineinzugehen. Letztendlich hängt Erfolg oder Scheitern ohnehin nicht von den einzelnen Regisseurinnen, Titeln oder Firmen ab. Wie narzisstisch wäre das. Es wird an den Räumen beurteilt werden können, die es uns gelingt mit unserer Arbeit zu öffnen. Dafür, welche Pornographie möglich ist.

 

„Was feministischer Porno ist, kann und will ich nicht definieren. Die falsche Antwort, die folgen würde, wäre schon darin begründet, die falsche Frage zu stellen. Die Frage muss sich danach richten, was feministische Pornographie sein könnte.“

 

 

Zitate aus:

Patrick Catuz: Feminismus fickt!
Lit-Verlang. Wien/Münster, 2013.

Das Buch „Feminismus fickt!“ führt über eine Einführung zur Kulturgeschichte des pornographischen Blicks und des Sexes, erzählt die Geschichte des Pornokinos und führt über die alte feministische Pornodebatte zu Beispielen feministischer Produktion. Angereichert mit Erfahrungen aus der Praxis.

Das Buch erschien 2013 im LIT Verlag, Wien.

 

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Patrick Catuz, Autor, Feministische PornographiePatrick Catuz ist Autor, Filmemacher und Kulturarbeiter und lebt in Wien. Er hat in Klagenfurt (AUT) und Breslau (PL) Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Angewandte Kulturwissenschaften studiert.

Er arbeitete bei Erika Lust und LUST FILMS in Barcelona, ehe er nach Wien zurückkehrte, um sich an der Universität für angewandte Kunst Wien seiner Doktorarbeit zu widmen. Er führt mit Adrineh Simonian die Firma Arthouse Vienna, die sich auf Queer, Feminist und Arthouse Porno spezialisiert.

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