Den Gender Studies ihre Freiheit

Europaweit geraten die Gender Studies unter Beschuss. Jüngst in Ungarn: Ministerpräsident Viktor Orban unterzeichnete einen Erlass, in dem beschlossen wird, dass die Studienrichtung Gender Studies aus dem Angebot der Masterlehrgänge genommen wird. Dieser Schritt ist ein Eingriff in die Freiheit von Lehre und Forschung. Doch woher kommt die Wut auf die Gender Studies überhaupt?

Geschlechterforschung als Feind

Viktor Orban verbietet in Ungarn den Masterstudiengang Gender Studies und begründet seine Entscheidung mit der „mangelnden Nachfrage“ der Studierenden. Er erlässt das Verbot aufgrund seiner Befürchtung, die Geschlechterforschung würde das Weltbild der christlichen Familien untergraben und das konservative Familien- und Geschlechterrollenbild hinterfragen. Dinge, die der rechtspopulistische ungarische Ministerpräsident offensichtlich nicht will. Die autoritäre Willkür der ungarischen Regierung greift aufgrund dieser Entscheidung jedoch nicht nur in die Freiheit von Lehre und Forschung ein, sondern bekämpft gleichzeitig kritisch denkende Menschen, die die geschlechtliche Norm hinterfragen und Unterdrückungs- und Herrschaftssystem offenlegen.

Aus für Gender Studies an ELTE und CEU

Der Erlass verbietet, dass neue Studierende zu den Gender Studies in Ungarn zugelassen werden und auch, dass von Seiten der Hochschulleitung neue Kurse angeboten werden. Diejenigen, die jedoch bereits Masterkurse in diesem Fach belegt haben, dürfen diesen angeblich auch abschließen. Von dieser Entscheidung sind zwei Universitäten in Ungarn betroffen, die einen Masterstudienlehrgang der Gender Studies anbieten: die staatliche Lorand-Eötvös-Universität (ELTE) und die private amerikanische Central European University (CEU), die beide in Budapest angesiedelt sind.

Andersdenkende als Feinde

Die Gesinnung, alle andersdenkenden Mundtot zu machen, ist keine, die nur Rechte teilen. Nein, sie reicht auch bis in konservativ-gemäßigte Kreise. Es spricht sich beispielsweise sowohl die katholische, als auch die orthodoxe Kirche immer wieder gegen feministische Positionierungen und Kritiker_innen rechtspopulistischer Regierungen aus.

Der Eingriff auf die Freiheit von Forschung und Lehre durch die Abschaffung der Gender Studies an ungarischen Universitäten zeigt, dass versucht wird, emanzipatorisches Denken auszulöschen und Ausbeutung und Diskriminierung marginalisiert positionierte Menschen weiterhin voranzutreiben. Sind doch gerade die Gender Studies im Stande, Unterdrückungsverhältnisse sichtbarzumachen und Normen zu hinterfragen, die Menschen einengen und auf patriarchalen Entscheidungen fußen.

Auch wenn Universitäten Studiengänge streichen, setzt euch trotzdem mit kritischen Themen auseinander und gebt euer Wissen außerhalb der Universität weiter. Für ein offenes und emanzipatorisches Miteinander!

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Ihr wollt mehr über den Beschluss von Viktor Orban wissen und warum alle ein Problem mit den Gender Studies haben?

Hier könnt ihr ein Interview mit Paula-Irene Villa Braslavsky, deutsch-argentinische Soziologin und Lehrstuhlinhaberin für Allgemeine Soziologie und Gender Studies, zur Streichung der Gender Studies in Ungarn nachlesen. Außerdem hat sich Patrick bereits an dieser Stelle mit der Frage beschäftigt, warum alle die Gender Studies hassen.