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Die Klitoris: eine (Wieder)Entdeckung

Die Klitoris ist ein Teil der Vulva und spielt eine wesentliche Rolle für die Sexualität der Frau*. Möchten wir eine erfüllte Sexualität leben, ist es von Vorteil, den eigenen Körper gut zu kennen. Dazu gehört auch Wissen über unsere Vagina bzw. Vulva, der sichtbare Teil der Vagina, von der die Klitoris ein Teil ist. Wofür ist sie gut? Was kann sie? Wie sieht sie aus? Anschließend heiße Fakten rund um die Liebesperle der Frau*

Die Anatomie der Klitoris

Die Klitoris besteht aus einer Klitoriseichel, die von einer Vorhaut – der Klitorisvorhaut – ummantelt ist, zwei Schwellkörperschenkeln und dem Vorhofschwellkörper. Die Klitoriseichel ist der einzig sichtbare Teil des erigierbaren Organs. Der Großteil liegt nämlich verborgen im inneren des Gewebes und reicht bis zur Vaginalöffnung. Die Analogien zum Penis kommen nicht von ungefähr; alle Genitalien sind bis zur sechsten Schwangerschaftswoche gleich. Erst danach findet eine Ausdifferenzierung statt, die mit der 12. Schwangerschaftswoche beendet ist. So wie der Penis eine Eichel hat, hat auch die Klitoris eine – beide bestehen aus dem gleichen genetischen Material. Eine weitere Analogie ist die Schwellung: ist die Klitoris erregt, schwillt sie an und nimmt dabei auch an Größe zu.

Same same, but different

Klitoris und Peniseichel sind jedoch auch unterschiedlich. So besteht die Klitoris beispielsweise aus doppelt so vielen Nervenenden wie die Peniseichel. Und im Vergleich  zum Penis „hat die Klitoris nur die Aufgabe zu empfinden. Der Penis hat vier Aufgaben: Empfinden, Penetrieren, Ejakulieren und Urinieren“, schreibt Emily Nagoski in ihrem 2015 erschienen Buch „Komm, wie du willst – Das neue Frauen-Sex-Buch“ (Knaur Verlag, München).  Die Klitoris ist das einzige Organ des Körpers, das keine andere Funktion hat, als sexuelle Erregung zu spüren.

Size that matter?

Besonders das weibliche Geschlechtsteil ist immer wieder Schönheitsvorstellungen unterlegen, die darauf aus sind, es in ihrer Größe zu dezimieren. Die Anzahl sogenannter Labioplastien – Operationen, bei der die inneren Labien verkleinert werden – stiegen in den letzten Jahren und Jahrzehnten immens an. Analog zu Labioplastien führen (fragwürdige) Ärzt*innen auch Verstümmelungen an der Klitoris durch. Oftmals wird die Größe des Sexualorgans „angepasst“. Doch wozu? Denn solange die Person selbst kein Problem oder Schmerzen feststellen kann, spielt die Größe der Klitoris absolut keine Rolle. Bei Operationen und besonders bei Eingriffen in so sensibles Gewebe wie der Vulva, ist immer wieder zu bedenken, dass Narbengewebe u.ä. entstehen kann, das zu enormen Einschränkungen führen kann.

Die Klitoris (und auch die Vulva) können in ihrer Größe stark variieren und das ist alles NORMAL (außer du verspürst Schmerzen, dann macht es Sinn, medizinisches Fachpersonal zu kontaktieren). Von ganz mini-klein bis ein paar Zentimeter lang – nichts ist an einer Klitoris falsch, niemals! Die Klitoris wachst sogar. Nach der Menopause kann sie 2,5 Mal so groß sein wie zu Teenager-Jahren. Das Wachstum ist auf hormonelle Umstellungen zurückzuführen und nichts Negatives, sondern unterliegt natürlichen körperlichen Prozessen.

Alles kann, nichts muss

Wird die Klitoris auch als „Lustorgan“ verstanden, kann es gut sein, dass man selber zunächst gar nicht so stark auf ihre Stimulation reagiert. Das ist total okay so und auch gar nicht weiter schlimm. Auf Anhieb geht da erst einmal gar nichts. Für die einen fühlt sich Berührung total ekstatisch an, die anderen empfinden nicht wahnsinnig viel. Das hat nichts Schlechtes zu bedeuten, auch hier existiert eine Bandbreite an sexuellen Realitäten, die von Person zu Person unterschiedlich sind.

Willst Du deine eigene Vulva bzw. Klitoris näher kennen lernen, dann nimm am besten einen Handspiegel und schau dir deine Klitoris an. Wo ist sie genau? Wie schaut sie aus? Wie fühlt sich Berührung/Druck/Reibung an? Es ist eine kluge Sache, mit ihr ein inniges Verhältnis einzugehen, denn: die Klitoris altert nie. Ist sie einmal völlig entwickelt, behält sie ihre sexuelle Funktion ein Leben lang.

Die Klitoris als animierte, liebenswerte Figur – ein Video von Lori Malépart-Traversy

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Breaking the Taboo: Warum wir mehr über die Regel sprechen müssen

Die Monatsblutung – oft auch DIE Regel, Menstruation oder Periode genannt – ist ein Mysterium mit vielen Namen. Es gibt unzählige andere Bezeichnungen, die die Regelblutung umschreibt oder verniedlicht, manchmal sogar verharmlost und in ein falsches Licht rückt. Die konkrete Benennung ist der erste Schritt um zu wissen, was monatlich in meinem Körper vorgeht. Aber was ist die Menstruation eigentlich? Und warum haftet ihr bis heute ein so starkes Stigma an?

Die Menstruation

Im Körper einer Frau – wohlgemerkt menstruieren nicht alle Frauen und auch nicht alle, die menstruieren, identifizieren sich als Frau – baut sich während des Zyklus die Gebärmutterschleimhaut auf und macht sich so jeden Monat bereit für eine mögliche Befruchtung einer Eizelle. Geschieht dies jedoch nicht, wird im Zuge der Regelblutung die Schleimhaut abgestoßen. Diese Meisterleistung vollbringt der Körper einer Frau ca. alle 28 Tage 40 Jahre lang – von der ersten Monatsblutung im Alter zwischen 9 und 15 Jahren bis zur letzten, der Menopause.

Da Frauen ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, könnte angenommen werden, dass es ziemlich „normal“ und weit verbreitet ist, dass Frauen regelmäßig bluten. Aber warum haftet dann der Regelblutung bis heute ein Stigma an, welches es nahezu unmöglich macht, in der Öffentlichkeit über diese ach so natürliche Sache zu sprechen?

„Unrein“ und „verflucht“ – das Stigma der Menstruation

Jahrhunderte lang galten Frauen, die bluteten als „verflucht“ oder „teuflisch“ – so steht beispielsweise im Alten Testament geschrieben, dass Frauen während ihrer Regel als „unrein“ gelten und deshalb alles, worauf sie sitzen oder liegen „unrein“ wird– sie gelten als „minderwertig“ und Menschen „zweiter Klasse“. Aber auch im Hinduismus existieren diese Mythen: Da Frauen während ihrer Menstruation als „unrein“ angesehen werden, ist ihnen u.a. der Zutritt zum Tempel untersagt. Teilweise kommt es sogar vor, dass sich Frauen während ihrer Tage komplett aus der Gesellschaft zurückziehen und isolieren, da angenommen wird, dass ein „Fluch“ auf ihnen liegt.

Es ist also in den Köpfen (junger) Frauen fest verankert, dass etwas Negatives an ihnen anhaftet, wenn sie bluten. Das hat sich bis heute gehalten und dazu geführt, dass die Angst vor einem Blutfleck auf der Hose, die schlimmste Vorstellung für viele junge Mädchen ist.

Rotes Blut statt blauer Flüssigkeit

Dass diesem biologisch notwendigen und gesunden Vorgang bis heute solch ein Tabu anhaftet, ist aber auch Werbeeinschaltungen der letzten Jahrzehnte zu verdanken. Bis vor kurzem wurde nämlich in Spots für Binden oder Tampons Regelblut durch blaue Flüssigkeit ersetzt und so ein gänzlich falsches Bild über die Menstruation vermittelt. Wenn uns Monatshygieneanbieter vorgaukeln, dass wir uns nur mit ihren super gut riechenden Binden gut fühlen und uns aus dem Haus trauen dürfen, wird lediglich mit Ängsten und Klischees junger Mädchen und Frauen gespielt. Das hat rein gar nichts mit Empowerment zu tun, sondern es wird  unter dem Denkmantel der Enttabuisierung vermittelt, dass die Monatsblutung etwasWiderlichesist und stinkt. Diese Unternehmen haben kein Interesse, sich an der Enttabuisierung dieses gesellschaflichen Themas zu beteiligen, sondern wollen lediglich ihr Produkt in Umlauf bringen. Hello, my dear friend Capitalism!

Schön langsam kommen die starren Strukturen jedoch ins Rollen, denn im Oktober 2017 zeigte das britische Unternehmen Bodyform zum ersten Mal echtes Blut in ihren Produktbewerbungen und versucht so, das Tabu rund um die Regel in die Knie zu zwingen. Eigentlich ganz gut aushaltbar, wenn da rote Flüssigkeit auf eine Binde getropft wird als blaue, oder?

Was wir gegen das Tabu Regel und die damit verbundene Stigmatisierung tun können

Reden, reden und nochmals reden!

Als Mütter, Eltern, Geschwister, Freund_innen, Bezugspersonen, Lehrer_innen, Multiplikator_innen, Sozialarbeiter_innen, … Menschen dieser Gesellschaft: sprecht über die Monatsblutung. Versucht ein Gesprächsklima zu schaffen, in dem es möglich ist, darüber zu reden, was die Menstruation eigentlich ist und warum sie nichts „Schlechtes“, „Unreines“ oder „Schlimmes“ ist. Dazu gehört auch, die Menstruation adäquat zu benennen und nicht von der „Erdbeerwoche“ oder sonstigen Bezeichnungen zu sprechen – denn nur so kann ich die Vorgänge in meinem eigenen Körper besser verstehen und nachvollziehen, welchen Aufwand der Körper jeden Monat aufs Neue aufbringt. Erzählt von eigenen Erfahrungen und macht Mut, freudig und vielleicht auch ein bisschen Stolz nun in diesem neuen Lebensabschnitt angekommen zu sein.

Wichtig ist jedoch auch, mit Burschen über dieses Thema zu sprechen, Aufklärungsarbeit zu betreiben und klar zu machen, dass es sich hierbei um das normalste auf der Welt handelt – aufgrund dessen niemand gemobbt oder ausgeschlossen werden muss. Diskriminierungen aufgrund der Regel müssen einfach der Vergangenheit angehören und dazu müssen alle ihren Beitrag leisten. Das kann auch heißen, dass ich mich als Lehrerin, Schwester oder Vater mit diesem Thema intensiver auseinandersetze, damit Mädchen ohne Angst und gut vorbereitet ihrer Periode entgegenblicken können. Sind junge Mädchen über erste Anzeichen ihres Körpers informiert und können Hilfe in Anspruch nehmen, wenn die Schmerzen vor oder während der Regel zu stark werden?

Eine offene und positive Herangehenswese an das Thema Menstruation ist immens wichtig, um jungen Frauen ein Körpergefühl zu vermitteln, das geprägt ist von Wertschätzung und Zuneigung, denn die monatliche Menstruation ist (im besten Fall) eine treue Begleiterin auf dem Weg durchs Leben. Wenn wir also nicht wollen, dass sich junge Frauen durch die Regel ein negatives Körperbild aneignen, ist es auch unsere Aufgabe mitzuhelfen, die Monatsblutung von ihrem Tabu zu befreien.


Ihr wollt euch näher mit dem Thema Menstruation auseinandersetzen? Anschließend eine kleine Sammlung an aktuellen Veröffentlichungen zu Periode, weiblicher Zyklus, Sexualität und Co.

Nina Brochmann, Ellen Støkken Dahl: Viva la Vagina. Alles über das weibliche Geschlecht. S. Fischer 2017

Heike Kleen: Das Tage-Buch: Die Menstruation – alles über ein unterschätztes Phänomen. Wilhelm Heyne Verlag 2017

Laura Méritt: Frauenkörper neu gesehen: Ein illustriertes Handbuch. Orlanda Frauenverlag 2012

Mithu M. Sanyal: Vulva: Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts. Klaus Wagenbach Verlag 2009

Luisa Strömer, Eva Wünsch: Ebbe & Blut. Alles über die Gezeiten des weiblichen Zyklus. Gräfe und Unzer 2017

 

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Yavuz Kurtulmus im Interview zum ersten PornFilmFestival Wiens

Wien bekommt ihr erstes PornFilmFestival, das von 1. bis 4. März an mehreren Standorten in Wien stattfinden wird. Es wird ein schillerndes Programm geben, das sich aus allen Ecken und Enden mit dem Thema Porno auseinandersetzt, von Film über Workshop bis zur Party wird für jede_n was dabei sein!

Wir haben vorab Yavuz Kurtulmus, dem Festival Director, getroffen und mit ihm über das Festival gesprochen. Das PFFV wird in insgesamt 7 Locations stattfinden, beispielsweise im Schikaneder und Fortunakino oder im Heuer am Karlsplatz, wo die Abschlussparty veranstaltet wird. Der Hauptfokus des Festivals wird Film sein, jedoch werden zusätzlich auch Workshops und Diskussionen stattfinden, bei denen Porno aus einer theoretischen Perspektive beleuchtet wird. Außerdem können Besucher_innen von einer Virtual Reality Lounge Gebrauch machen oder lernen, wie sie ihren eigenen Porno drehen können. Das Festival wird ebenso die Möglichkeit bieten, darüber zu sprechen, was Porno eigentlich alles ist und wie sich die Pornoindustrie gestaltet und in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Es werden von queeren Filmen bis zu feministischen Pornos ganz unterschiedliche Genres gezeigt, die die Vielfalt und Diversität darstellen soll, denn Porno hat mehr zu bieten als schmutzige Filmchen, die sich sexuellen Stereotypen bedienen und unter miesen Bedingungen gedreht wurden.

Das Festival soll Spaß machen, jedoch ist auch Respekt und Akzeptanz beim PFFV wichtig. Anders als bei gängigen Filmfestivals kann es beim PornFilmFestival auch mal dazu kommen, dass Menschen Szenen lustig finden oder auch den Kinosaal verlassen, weil es ihnen zu viel wird. All diese Reaktionen sind normal und wichtig, erfodern lediglich ein Quäntchen mehr an Verständnis.

Seid gespannt auf vier spannende, lustvolle, ausgelassene und interessante Tage (und Nächte) die die Gelegenheit bieten sollen, über Porno zu sprechen und neue Perspektiven darauf zu ermöglichen. Es wird ein großartiges Fest werden und ich glaube, Wien ist verdammt nochmal bereit dafür!

Yavuz Kurtulmus im Interview zum ersten PornFilmFestival Wiens:

Ihr wollt mehr zu Programm, Ticketkauf und Workshopthemen wissen? Dann bitte hier entlang! Es gibt außerdem ein Crowdfunding-Projekt, das ihr hier unterstützen könnt. Schaut vorbei und sichert euch ein paar nette Goodies!

Bis dahin: Stay soft, be respectful, do porn XOXO

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Alice Moe for Arthouse Vienna

Arthouse Vienna stellt ein neues Talent vor: Gemeinsam mit der Performance-Künstler*in Alice Moe erweitern wir unser Post/Porn Spektrum. Die junge Linzer*in bringt jede Menge Queer Power mit an Board. 

Alice Moe ist Performance-Künstler*in. Sie lebt in Linz und studiert an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz.  Ihre* Performances und Vidoes beschäftigen sich mit den Themen Identität, Grenzüberwindung, und Fluidität von Geschlechterrollen. Sie* ist Queer-Aktivist*in und kümmert sich um LGBTQI+Jugendliche. 

Arthouse Vienna veröffentlichte den ersten Film zu ihrer* Post/Porn Performance im Jahr 2018 unter dem Titel “Food Porn (for realz)”. Die Premiere findet am Porn Filmfestival Wien statt. 

„Food Porn (for realz)“ von Alice Moe

Food Porn (for realz)

Serie: Post/Porn, Arthouse Vienna
Director: Patrick Catuz
Producer: Adrineh Simonian
Performer: Alice Moe

Die Performance-Künstler*in Alice Moe greift in Food Porn (for realz) das popkulturelle Thema des Food Porn auf. In ihrem* “Dinner for one” verzehrt sie* saftige Frückte, aber auch sich selbst. Es ist ein Kommentar auf die Popkultur, aber auch ein Brückenschlag zwischen sinnlichen Freuden, nämlich dem Essen als sexueller Tätigkeit. Und der Autoerotik als sexueller Nahrung.

Lasst euch die Premiere nicht entgehen!

 

Arthouse Vienna Shorts
@Porn Filmfestival Wien
FR. 02.03. | 19:00
FORTUNA KINO

 

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Es wird besser! (für LGBTQI+ Kids)

Hi! Ich bin Alice Moe, 28, pansexuell/ident und queer/non-binary. Das „Es wird besser“ Österreich-Projekt orientiert sich an seiner US amerikanischen großen Schwester. Mittlerweile gibt es regionale Ableger weltweit. Es geht beim Projekt darum, LGBTQI-Jugendlichen Zuversicht zu geben und Menschen im sozialen Umfeld von LGBTQI-Jugendlichen für mehr Akzeptanz zu sorgen und Diskriminierungen vorzubeugen. Ich persönlich habe dabei mitgemacht, um mit Sichtbarkeit und Zusammenhalt den Kids den Rücken zu stärken. Und weil ich diese wideren Umstände selbst erleben musste. Ich möchte anderen Mut machen und aufzeigen, dass trotz allem später tatsächlich alles besser werden kann. Das ist meine Geschichte.

 

Mein Coming out war eine Katastrophe. Ich habe meine erste Partnerin mit 13 – mich damals als lesbisch identifizierend – über das Internet kennengelernt und hab daraufhin iceteagirl als damaliges Sk8ergirl89 zu mir nach Salzburg Land eingeladen. Wir küßten uns verliebt am See im Ort, mit dem bezeichnenden Namen Ritzensee. Da es ein sehr kleiner Ort ist radelte natürlich adjust in diesem Moment meine Mutter vorbei, war dezent schockiert und rief mir nur ein, „Alice, komm sofort nach Hause!“ zu. Dort angekommen saß ich mit gesenktem Haupt am Tisch meiner Eltern, welche auf die Situation mit einem „solange du deine Füße unter unserem Tisch hast, bist du ,das´nicht“ reagierten. Auch in der Schule waren die Reaktionen auf meine Liebensweise nicht immer angenehm. Mobbing in verbaler Form war, als ich mit meiner 2. Partnerin zusammen war – wir gingen in die selbe Klasse – an der Tagesordnung. In unserem Biologiebuch fanden wir zur gleichgeschlechtlichen Liebe nur einen kleinen Absatz unter dem Kapitel „sexuelle Abnormitäten“. Meine Kritik daran fand beim Biologielehrenden keinen Anklang. In meinem Dorf kamen wildfremde Personen auf mich zu und meinten sogar, dass sich meine Familie „für mich schäme“.

Trotz dieser Erfahrungen gab es immer dieses Gefühl, dass es eines Tages besser wird. Ich stürzte mich in die Musik, lernte immer mehr Menschen kennen, die supportive waren. Das Schöne daran: diese Menschen findest du überall! Wir haben als Partnerinnen sehr zusammengehalten und selbst in der Familie immer auch vereinzelt Leute gefunden, die uns unterstützten. Darauf ist der Fokus zu legen! Auch, wenn es nur EINE Person ist – geh genau zu dieser, pflege den Kontakt, lass dich supporten. Lass es zu, dass wer zu dir steht und tu es so gut es dir möglich ist immer auch selbst. Steh zu dir!

Ich bin heute unter anderem auch eine von 4 Leiter*innen bei der queeren Linzer Jugendgruppe YOU!nited. Zu unseren Angeboten zählen gemütliches Beisammensein und Veranstaltungen bei denen ihr euch ungezwungen kennenlernen, selbst kennenlernen, und ausprobieren könnt. Ein Safe Space unter Gleichgesinnten ist wichtig, um das Gefühl zu entwickeln, genau richtig und nicht alleine zu sein. Sich zu connecten ist extrem wichtig – finde deine Family, deinen Soul Tribe, deine Interessensgemeinschaft, dein Umfeld. Finde, was dir Spaß im Leben, was dich ausmacht! Mir half bei meiner Identitätsfindung – ich habe mich ja mit 27 erneut geoutet – das Kunststudium, weil ich mich in meiner Stärke, meinem Können und meinem echten Selbst erlebt hab und wertgeschätzt wurde. Ich war richtig am Platz und als Mensch. Und genau das gibt dir die Stärke, die du brauchst, um (zu dir) zu wachsen. Das ist pure Erfüllung und Freiheit, wirklich du zu sein!

Und ich kann dir deshalb aus meiner Erfahrung nur eins sagen: ES WIRD BESSER! Egal, wie scheiße die Tage aktuell noch oft sein mögen. Du weißt, es wird aufhören. Auch, wenn es oft aussichtslos und furchtbar scheint, glaub mir – es zahlt sich aus, durchzubeißen und dranzubleiben! Und du findest Wege, du kannst das! Du wirst deinen Job, deinen Platz, deine*n Partner*in(nen), deine Freund*innen finden und irgendwann auf die Zeit zurückblicken und sagen: Danke, ich bin heute ein starker Mensch! Ich weiß wer ich bin, was ich kann, was ich will. Und genieß die Zeit die dann kommt, weil es besser wird 🙂

Übrigens ändern sich Leute auch – meine Elterne haben zb heute kein Problem mehr mit meiner Parter*innenwahl.

Helft euch auch gegenseitig, wann immer ihr Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten wahrnehmt. Supporte dein Umfeld, schließt euch zusammen, schätzt eure eigene Vielfalt und die der Gruppe – bildet Regenbogenbanden! Ermöglicht es euch und auch anderen, in Freiheit und Sicherheit das Selbst zu leben.

 

Spread the love, Regenbogenkids. Denn gemeinsam sind wir stark.

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Alternative Pornografie, sei mein LOVER

Mainstream-Pornografie funktioniert mit Hilfe von sexuell expliziten Aufnahmen. Das bringt zwar viele Menschen zum schnellen Orgasmus, erzeugt aber weder Sinnlichkeit, Intimität noch sieht es ästhetisch aus. Will Hoffmann und Julius Metoyer haben an dieser Problematik ansetzend versucht, sexuelle Nähe und Begierde mit anderen Mitteln, als die der Mainstream-Pornografie, zu zeigen.

Filmästhetik von LOVER

In ihrem erotischen Kurzfilm LOVER arbeiten sie mit warmem Licht, einer bewegten Kamera und spielen mit Schärfe und Unschärfe. In Kombination mit schnellen rhythmisierten Schnitten und einer pulsierenden Musik wirkt der Film schon ganz anders, als ein 0815-Porno. Dieser lenkt die Kamera nämlich meist einfach nur gefühllos auf hell beleuchtete Geschlechtsteile.

 

Bei LOVER wird der Blick, wie im Porno, auch fragmentarisiert. Aber es werden nie Geschlechtsteile in den Nahaufnahmen gezeigt. Stattdessen erzeugen die Filmemacher Sex, Intimität und Lust über das Zeigen der Gesichter der Personen. Statt Körpern werden also Personen gezeigt. Statt Sexmaschinen werden tatsächliche Paare gezeigt, die sich intim kennen. Dadurch sind die Menschen, die man sieht, nicht austauschbar. Sie haben Ausdruck und Charakter. Bilder von Mündern, Gesichtern, Händen und Schultern erotisieren die Aufnahmen also und setzen die Imaginationskraft bei den Zuseher*innen frei. Dieser verschleierte Blick spart das Wesentliche der sexuellen Handlung aus und lenkt die Aufmerksamkeit auf verschwommen wahrgenommene Körperstellen und kleine Gesten, die das Geschehen andeuten.

 

 

Während des Orgasmus der Paare, erreichen alle sich bisher rhythmisch steigernden filmischen Mittel gemeinsam ihren Höhepunkt. Dabei werden hauptsächlich die Gesichter der Frauen fokussiert. Direkten Zugang zum Geschehen bietet das Stöhnen einer Frau, das in die Musik miteinbezogen wurde. Der Film arbeitet folglich mit einem Ästhetik- und Kunstanspruch, den der Porno nicht hat.

 

„We wanted to make a film that wasn’t about watching sex, but instead, triggered memories of the way you felt when emotionally surrendered with a partner. That moment where you let go of judgment or self-consciousness and just open yourself up to impulse and desire.” –  Hoffmann/Metoyer

 

 

Wieso funktioniert das?

Das erotische Erlebnis beim Ansehen eines Films zeichnet sich durch den Reiz der Abwechslung des Gezeigten und Nichtgezeigten aus. Das Knistern entsteht also „zwischen Bild und Ton, On und Off – Leinwand und Publikum“. In unseren Köpfen, angestoßen durch einen Stimulus oder eine Stimmung, läuft dann das Ungezeigte als Fantasievorstellung ab. Erotik ist folglich geheimnisvoll und unfassbar, „wie ein Filmbild, das einen Wimpernschlag lang aufflackert“, was LOVER tatsächlich umsetzt. Pornografie arbeitet im Vergleich dazu nur mit dem Gezeigten. Dadurch kann kein Wechselspiel zwischen Sehen und fantasievollem Ergänzen stattfinden. Der Eindruck kann sich deshalb nicht entwickeln, weil er bereits mitgeliefert wird.

 

 

Das Geheimnisvolle der alternativen Pornografie

Die Verschleierung und das Geheime werden in alternativen pornografischen Darstellungen stark thematisiert, so wie auch LOVER beweist. Sie grenzen sich dadurch von den explizit detaillierten Bildern des Mainstream-Pornos ab. Stattdessen zeigen sie erotische und kunstvolle Bilder. Die Abgrenzung zu dezidiert pornografischen Bildern versetzt sie in einen erotischen und kunstvollen Kontext. Durch eben dieses Nicht-Zeigen der entscheidenden Berührung bzw des sexuellen Geschehens, wird ein Raum für Fantasie geöffnet. Im Mainstream-Porno wird alles so genau gezeigt, dass für eigene Vorstellungen kein Platz mehr bleibt. Der sinnliche Ansatz alternativer Pornografie und Erotikfilme öffnet hingegen einen Imaginationsraum. Die eigenen Fantasien und Vorstellungen sollen die alternative Pornografie ausfüllen.

 

If your only goal is to arouse someone then you should make porn. If you want to try to make someone think or feel something else, you have to create a different set of rules, most of which we made up along the way. – Metoyer/Hoffmann

 

 

 

Quellen:
Hoffman Will/ Julius Metoyer, „Love and Lust in LA“, https://www.nowness.com/story/love-and-lust-in-la.
Zitate von: Maurer, Andreas, „Editorial“, Erotik (CINEMA 51), 2006, S.7.
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Wo bleibt das Verhütungsmittel für Männer, auf das wir schon so lange warten?

Ein Mann * sucht einen Sexualtherapeuten auf und schildert folgende Situation: Er möchte keine Kinder haben und Verhütung ist ein wichtiges Thema für ihn. Wenn er mit einer Frau Geschlechtsverkehr hat, benutzt er immer ein Kondom. Er tut sich jedoch schwer mit Kondomen, damit in Erregung zu kommen stellt für ihn nahezu eine Unmöglichkeit dar. Welche Alternativen hat der Mann in diesem Moment, um zu verhüten? Und hat all dies Auswirkungen darauf, wie er sich als Mann wahrnimmt?

Dieses Gedankenexperiment habe ich zum Anlass genommen, um darüber nachzudenken, auf welche Verhütungsmittel Männer zurückgreifen können. Für Frauen gibt es ja so einige, von der Anti-Baby-Pille zur Hormonspirale und vom Verhütungspflaster zum Diaphragma (um nur einige zu nennen und ohne auf die Problematik von hormonellen Verhütungsmitteln einzugehen). Die Auswahl für Männer fällt im Gegensatz dazu geringer aus. Warum gibt es außer dem Kondom und der Vasektomie – die eher als endgültige Entscheidung angesehen wird – keine Verhütungsmittel für Männer? Ja warum wurde bis heute kein chemisches Verhütungsmittel für Männer auf den Markt gebracht? Und wieso ist es – Gott verdammt noch einmal – das Problem von Frauen, keine Kinder zu bekommen?

Die Hoffnung

Schon in den 1970er Jahren wurde in Indien von Sujoy Guha, Professor für Medizintechnik am Indian Institute of Technology, eine Methode namens RISUG (Reversible Inhibition of Sperm Under Guidance) entwickelt, die „kostengünstig, minimal invasiv und vollständig rückgängig zu machen ist“, wie ein Artikel vom Mai 2015 auf Motherboard, dem Technik-Ableger von Vice, erklärt. 2010 hat eine amerikanische Stiftung das Patent gekauft und arbeitet seit dem an Vasalgel, einer „leicht abgeänderten Variante des Patents“.
Das chemische Verhütungsmittel Vasalgel wird dabei in die Samenleiter injiziert und wirkt dort wie ein Filter, Flüssigkeit kann passieren, Spermien jedoch nicht. Die blockierten Spermien werden in Folge abgebaut und stellen kein weiteres Risiko für den Körper dar. Das Gel verbleibt dort für fünf bis zehn Jahre und kann mittels einer Lösung wieder rückgängig gemacht werden.
Es gibt unzählige Meinungen zu Vasalgel. Einerseits wird von der hohen Sicherheit berichtet, andererseits jedoch wiederum von unerwünschten Nebenwirkungen, die bei Studien aufgetreten sind. Ein weiterer Grund, warum es Vasalgel noch nicht auf den Markt geschafft hat, ist die Einstufung einiger Komponenten der Polymer-Verbindungen des Gels als krebserregend. Und fraglich ist überhaupt, ob sich die Forschungskosten rentieren werden, denn wenn das Gel einige Jahre in den Samenleitern verbleibt, sind keine wiederholten Besuche beim medizinischen Fachpersonal notwendig. Es wird aber auch viel Positives über die Methode gesagt, die als die Zukunft der Verhütung für Männer angesehen wird. So berichtet zum Beispiel Motherboard in diesem Artikel aus dem Jahre 2016, dass es Vasalgel noch 2018 auf den Markt schaffen wird. Und dann, knapp ein Jahr später, wird von den neuesten Erfolgen berichtet: an einer Gruppe von Rhesusaffen „funktionierte das Gel genauso, wie es sich die Forscher gewünscht hatten“. Man(n) darf gespannt bleiben!

Und wie sieht das ein Experte?

Um eine weitere Sichtweise zu diesem Thema zu erhalten, habe ich mit dem Psychologen und Klinischen Sexologen Wolfgang Kostenwein über die Notwendigkeit einer alternativen Verhütungsmethode für Männer gesprochen. Das Thema Verhütung werde zwar immer wieder von seinen Klienten angesprochen, so Kostenwein, es sei aber nicht der ausschlaggebende Grund, warum Männer zu ihm in die Sexualtherapie kommen. Manchmal tauche durchaus die Frage auf, wie Männer selber verhüten können, „und da gibt’s einerseits das Kondom, das für Männer sehr oft eine Störanfälligkeit in der sexuellen Funktionalität darstellt und eben die Vasektomie“. Eine Alternative zum Kondom, die gleichzeitig keine endgültige Entscheidung wie die Vasektomie ist, wäre für viele Männer „attraktiv“.
Männer haben weniger Möglichkeiten zur Verhütung – das ist richtig, hier besteht eine Benachteiligung. Andererseits sollte klar sein, dass es auf jeden Fall das Vorrecht der Frau ist, zu entscheiden, wann sie schwanger werden will und wann nicht, schlussendlich ist sie die prioritär Betroffene von einer Schwangerschaft. Frauen müssen die Möglichkeit haben, diese Entscheidung für sich selbst treffen zu können, denn die Konsequenzen müssen in erster Linie sie tragen. „Viele Männer äußern jedoch dasselbe Bedürfnis und sagen, sie hätten auch gerne die Sicherheit zu wissen, wann sie ein Kind zeugen und wann sie das nicht tun“, so der Sexologe. In dieser Situation können Männer einzig und allein auf das Kondom zurückgreifen. Wolfgang Kostenwein hat in seiner langjährigen therapeutischen Tätigkeit immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das Kondom auf mehreren Ebenen zu Probleme führen kann: Es muss einerseits unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr angewendet werden und andererseits entsteht eine Reizreduktion, was zur Folge haben kann, dass „Männer, die diesen Reiz benötigen, nicht in Erregung kommen“. All diese Faktoren können als Störfaktor wirken und benötigen hohe Handlungskompetenz, um mit Kondom zielführend zu verhüten.

Ein weiteres Thema, das in der Sexualtherapie immer wieder, wenn auch nicht direkt, angesprochen wird, sind Konstruktionen von Männlichkeit  – zum Thema Männlichkeit wurde bereits an dieser und dieser Stelle des Blogs etwas gesagt. Verhütung für Männer spielt dabei zwar nur am Rande eine Rolle, trotzdem gibt es auch Situationen, in denen Verhütungsentscheidungen das Bild von der eigenen Männlichkeit verändert, so der Therapeut. Wenn die eigene Zeugungsfähigkeit eine Erregungskomponente für einen Mann darstellt, kann eine Vasektomie auf psycho-sexueller Ebene zu einer Krise führen. Ab und zu kommen Männer aus diesem Grund in die Sexualtherapie: sie berichten von einer durchgeführten Vasektomie und einer darauffolgenden Instabilität in ihrer Sexualität – auch wenn sie das vielleicht selbst nicht so formulieren würden. Hat der Glaubenssatz Ich erlebe mich als zeugungsfähigen Mann und das ist Teil meines sexuellen Potentials im Erregungssystems eines Mannes große Bedeutung, „kann das System zu kippen beginnen“, erklärt Wolfgang Kostenwein aus seiner langjährigen Erfahrung.

Oft finden aber auch andere Fragen Platz, die zeigen, dass einige Klienten große Unsicherheiten in ihrem Mann-Sein erleben. „Wie soll ich mich als Mann verhalten“ bzw. „was darf ich als Mann und was nicht“ sind Fragen, die darauf hinweisen. Diese Männer sind meist sehr gerichtet auf ihr Gegenüber, überaus empathisch und einfühlsam, „sie nehmen sich selber nicht mehr wahr, weil sie nur mehr wahrnehmen, was die anderen wahrnehmen und so in eine Instabilität gelangen“. Problematisch ist besonders, dass Männern fast ausschließlich gesagt wird, wie sie nicht sein sollen, was sie alles nicht tun sollen, „aber es sagt ihnen niemand in derselben Konkretheit was sie dürfen und wie sein sollen“, stellt Kostenwein immer wieder fest. Er erkennt in dieser Situation eine Chance, um aus diesem Antagonismus – ignorantes Arschloch vs. einfühlsamer Kerl – auszusteigen und „ein positives Männlichkeitsbild, das eine Verankerung in ihnen selbst und eine Identität, die nicht ein Gesellschaftskonstrukt ist, sondern die mit ihrer Körperlichkeit übereinstimmt, darstellt“.

Vorteile für alle

Das Gespräch mit dem Sexologen und Psychologen Wolfgang Kostenwein hat gezeigt, dass die Zeit reif wäre für ein weiteres Verhütungsmittel für Männer, dass einerseits Männern die Möglichkeit gibt, aktiv und selbstbestimmt zu verhüten, andererseits jedoch auch die Verantwortung, die bisher hauptsächlich der Frau übertragen wurde, aufzuteilen und beide Geschlechtspartner_innen gleichermaßen in Verhütungsentscheidungen miteinzubeziehen. Eine ausgeglichene Beziehung zwischen Männern und Frauen, die geprägt ist von Gleichwertigkeit und Vertrauen, ohne hierarchischen Geschlechtszuschreibungen, würde viele positive Veränderungen mit sich bringen – sowohl beim Thema Verhütung, als auch bei Männlichkeitskonstruktionen. Gäbe es eine zusätzliche Verhütungsmethode für Männer, wäre Verhütung nicht mehr (fast) ausschließlich Frauen-Sache und andererseits würde diese Handlungserweiterung auch Männern selbst zugutekommen. Bis dahin können wir nur hoffen und warten!

P.s.: Dass bis heute noch kein chemisches Verhütungsmittel für Männer zur Verfügung steht, hat sicherlich mehrere Gründe. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang jedoch schon auch, kritisch dem System als großem Ganzen gegenüberzustehen. So sollte auf jeden Fall die Frage gestellt werden, warum die Forschung an einem Verhütungsmittel für Männer tatsächlich bis heute nicht abgeschlossen und ein Präparat für Männer immer noch nicht zugelassen wurde. Da diese Entwicklungen nicht im luftleeren Raum entstanden sind, sondern auch dieses Feld von Machtstrukturen und hierarchischen Beziehungen durchzogen ist, muss kritisch hinterfragt werden, ob dahinter möglicherweise auch – patriarchale – Interessen stehen, die sich gegen jegliche Art von Gleichstellung wehren und weiterhin Verhütung als Aufgabe der Frau ansehen wollen.


Wolfgang Kostenwein ist Psychologe, Klinischer Sexologe und hat die Psychologische Leitung des Österreichischen Instituts für Sexualpädagogik inne. Er bietet Sexualpädagogische Workshops für Jugendliche und MultiplikatorInnen an, ist Lehrgangsleiter des Ausbildungslehrgangs Klinische Sexologie Sexocorporel, hat Lehrtätigkeiten an mehreren Hochschulen und arbeitet mit jugendlichen und erwachsenen Sexualstraftätern. Außerdem forscht er zu Jugendsexualität. Außerdem bietet er Sexualtherapie für Männer an.

* Mir ist bewusst, dass ich durch die explizite Differenzierung zwischen Mann und Frau das Bild einer dichotomen Zweigeschlechtlichkeit reproduziere, das den Eindruck vermittelt, es wäre hier von natürlichen Kategorien die Rede. Dieses Ziel verfolge ich in keinster Weise, gibt es mir hier lediglich die Möglichkeit, jene Menschen zu adressieren, die auch gemeint sind.

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Wohlfühlorte im Tal des Schreckens

 

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit der Frage, ob dieses ominöse Internet auch Orte bereithält, in denen mensch sicher ist vor Anfeindungen oder Shitstorms und die einen Rückzugsort vor dem bösen Feind dem Kapitalismus darstellen – dort wo weder Leistung erfordert wird, noch Konkurrenzdenken zueinander unsere Existenz bestimmt? Wenn ja, wo verstecken sie sich und warum sind wird andauernd mit Diät- und Fitness-Werbung konfrontiert, aber nicht mit Content dieser Art?

Ein paar dieser Orte hab ich gefunden und für bequem und ganz wunderbar erachtet. Deshalb möchte ich euch hier eine kleine Selektion meiner liebsten Instagram-Wohlfühlorte vorstellen. Dort wo radical softness in seiner schrillsten Ausprägung zelebriert wird, wo Geschlechterklischees, der Tabuisierung der Monatsblutung und der Pathologisierung von psychischen Erkrankungen der Kampf angesagt wird. Beginnen möchte ich diese Artikel-Reihe mit Menschen, die Kunst mit Body Positivity, Selbstakzeptanz und Feminismus vereinen und ganz wunderbare und schön anzusehende Dinge mit ihren Händen (oder Computern – wer weiß das heute schon?) (er)schaffen:

 

The Vulva Gallery

Die Künstler_in hinter diesem Account malt Vulven in all ihren Ausprägungen, Formen und Farben – einmal mit großen, dunklen inneren Labien, einmal mit einer kaum sichtbaren Klitoris, einmal mit kurz rasierter Intimbehaarung, einmal mit krauser. Die Zeichnungen der Vulven sind so unterschiedlich wie wir Menschen auch – und genau darum geht es hier: aufzuzeigen, welch unfassbar große und schöne Vielfalt existiert und dass ALLE Vulven wunderschön und genau richtig sind, so wie sie sind!

 

You’re Welcome Club

Bei diesem Account steht das Vorhaben, körperliche Vielfalt  in den Fokus zu rücken und sichtbarzumachen, was es noch so alles gibt abseits der Normschönheit. Hier sind Illustrationen von People of Colour, Transpersonen, Menschen mit BeHinderung, dicken, dünnen, großen, kleinen, haarigen, stoppeligen, starken, tattowierten… Menschen zu finden, die allesamt aufzeigen, dass wir alle so unterschiedlich und trotzdem bzw. gerade deshalb so schön sind.

https://www.instagram.com/p/BcCxujEH8kf/?taken-by=yourewelcomeclub

 

Frances Cannon

Oh Frances! Damit das hier nicht zu einem heimlichen Liebesbrief mutiert, nur ein paar knappe Worte. Ich finde Frances´ künstlerische Arbeiten ganz groß und finde mich in vielen ihrer Illustrationen wieder. Ein immer wiederkehrendes Motiv ihrer Auseinandersetzungen ist der dicke – im Sinne einer lediglich körperlichen Beschreibung und keiner negativen Zuschreibung – Frauenkörper und seine Enttabuisierung, die sie mit Repräsentation und Sichtbarmachung anstrebt.
Frances Cannon arbeitet stilistisch sehr unterschiedlich. Einerseits zeichnet sie minimalistisch und verwendet lediglich schwarzen Fineliner, andere Kunstwerke stechen durch ihre bunte Wasserfarben hervor.
Meiner Meinung nach eine gelungene Kombination von Kunst und Aktivismus, die jedem Menschen gut bekommt!

 

Recipes for Self-Love

Recipes for Self Love schafft, wohltuende und empowernde Sprüche mit trendy Design und hippen Farben zu verbinden. Auch hier wird großen Wert auf die Repräsentation von Vielfalt gelegt und Körper jenseits von (bloß) weiß, cis, hetero finden Platz in diesen Illustrationen. Neben der großartigen graphischen Aufmachung, schaffen die Sprüche und Phrasen eine Atmosphäre, die Zuversicht und Anerkennung sich selbst gegenüber ermöglicht und so ehrlich und wahr sind, dass mensch bzw. zumindest ich, ein wenig beruhigter in diese Welt hinausgehen kann. Gegen kapitalistische Leistungsmaximierung, für mehr Selbstakzeptanz und Wertschätzung!

 

Slinga Illustration

Slingaillustration ist der Account einer furchtlosen Leipzigerin, die mit ihren Zeichnungen auf Stoffsackerln, Stickern oder T-Shirts ganz schön Eindruck hinterlässt. Auf humorvolle Art und Weise wird hier gegen Stigmatisierungen und Klischees angekämpft. „Pizza Rolls! Not Gender Rolls“ ist einer der vielen Kampfansagen von Slinga. Eine Ode an den Nonkonformismus und bereits seit einiger Zeit fester Bestandteil meiner schönen Instagram-Bubble.

https://www.instagram.com/p/BVoxNeqj_jj/?taken-by=slingaillustration

 

Love Yourself First Project

Aus dem Abschlussprojekt Loveyourselffirst ist so viel mehr geworden – mittlerweile zählt das Projekt mehr als 24 000 Abonnent_innen. Die Graphikerin Laura Klinke thematisiert in ihren Posts Geschichten und Gedanken, mit denen sich ihre Follower_innen an sie gewendet haben und macht daraus hübsch anzusehende Kunst mit Mehrwert. Sie bringt nicht nur individuelle Erlebnisse und Erfahrungen aufs Papier, sondern auch gesamtgesellschaftlich relevante Themen wie die Sichtbarmachung von sexueller Gewalt durch den Hashtag metoo oder die Problematik von Schönheitsidealen, mit denen Menschen im Allgemeinen und Frauen im Besonderen konfrontiert sind. Ein super cooles Projekt, das künstlerisch, wie auch inhaltlich einen wichtigen Beitrag zur Body-Positivity-Bewegung beiträgt.

"Ich bin jung Mutter geworden und zwar mit 21 Jahren, was an sich schon eine Herausforderung ist. Ich war schon immer zierlich & schlank und hatte recht schnell nach der Geburt mein altes Gewicht wieder (was mich sehr glücklich gemacht hat). Aber man sieht meinem Körper an, dass ein Leben darin gewachsen ist. Das ist okay für mich. Jeden dieser Dehnungsstreifen liebe ich. Und dass mein Bauch nicht mehr so straff ist, wie bei den Instagram-Fitness-Models ist auch okay. Aber dann gab es einen Tag im letzten Sommer, an dem ich mit meiner kleinen Familie im Freibad war. Eigentlich wollten wir nur die Sonne genießen, aber ich merkte schnell, wie die Leute mich von oben bis unten musterten. Dann hörte ich Getuschel: "Wie kann die denn einen Bikini anziehen?" oder "Man, das ist ja voll ekelhaft, ein Badeanzug wäre besser bei dem Bauch". Für mich war das so schlimm. Mir wurde jedes Selbstbewusstsein genommen. Jetzt, ein Jahr später denk ich: Scheiß drauf! Ich zieh an, was ich will, denn jeder Mensch ist wunderschön, so wie er ist!" – Dem After-Baby-Body wird so enorm viel Aufmerksamkeit geschenkt und es wird sich wie die Geier darauf gestürzt, wer wann wieder was für einen Körper nach der Geburt des Kindes bekommt. Dabei sollte es um das Glück gehen und die Liebe und all das. Nicht darum, wer am Schnellsten wieder wie vorher aussieht. Und wenn sich der Körper verändert und danach einfach anders aussieht, dann ist das auch nicht schlimm, sondern ganz normal in Anbetracht der Tatsache, was er für ein Wunder vollbracht hat. Das ist doch etwas Tolles! Warum wird das durch diese ganzen Oberflächlichkeit so herab gestuft? Wie seht ihr das? Habt ihr diesen Druck selbst spüren müssen? Habt ihr das Gefühl, es wäre ein Wettkampf (auf Instagram und im realen Leben?). #loveyourselffirstproject

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Fembroidery

Hier wird Kunst und Empowerment neu gedacht. In detailreicher Handarbeit werden in neuem-alten Stil Holzrahmen mit Stoff bespannt, um sie anschließend mit Worten zu bezaubern. Eindrucksvolle Verzierungen spielen dabei eine wichtige Rolle – nur unschwer lässt sich erkennen: jeder Stich sitzt! Die Leitgedanken der Künstlerin – fight racism, smash patriarchy and be a rebel girl – finden sich auch in den Stickereien wieder. Ziemlich große Sache!

Your productivity doesn't define your worth.

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Das war die erste Runde, but: there is more to come! Es war unmöglich, euch von allen Menschen in einem Post zu erzählen, deshalb wird’s eine kleine aber feine Artikel-Serie geben. Früher oder später erfährt ihr hier mehr über meine Lieblings-Instagramseiten– bis dahin:

take care of yourself and be proud of yourself!

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Wie connecten Leute mit Pornos?

Endet die Medienkompetenz beim Porno? Was bedeutet es, dass Pornographie immer leichter verfügbar ist. Vor allem in einer Welt, in der wir ständig vernetzt sind und dauernd auf den Bildschirm glotzen?

Menschen sind immer mehr digitalen Medien ausgesetzt. So würde das in jeder gängigen Tageszeitung anfangen. Ausgesetzt? Wir verwenden sie! Wir haben Smart-Phones und Tablets, sind mindestens auf Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, managen Social Media Kanäle mit Programmen von Drittanbietern, haben unsere Dokumente in Clouds, teilen Netflix Abos mit FreundInnen und verschränken Arbeitsprozesse mit allen möglichen online Tools. Und entziehen uns ein wenig der realen Welt. Der britische Künstler Robbie Cooper hat sich mit dem Thema beschäftigt.

Im Immersion Project beschäftigt er sich mit den verschiedenen Formen mediatisierter Räume, in die Menschen sich begeben. Pornokonsum, Video-Games, Fernsehen, Internet. Dabei hat er intime Essays geschaffen, in denen die Menschen über ihren Zugang dazu sprechen und portraitiert sie dabei, wie sie diese Medien nutzen. Man sieht die konzentrierten Gesichter, starrenden Augen, extatisch aufgerissenen Münder. Vor allem hört man aber auch von sehr persönlichen Zugängen, die alles andere darstellen, als die Bilder von der dummen Masse, die von Medien manipuliert würden. Sie sind getragen von ihren Geschichten, ihrem persönlichen Leben und ihrer Haltung.

Gerade weil die Pornographie zu körperlichen Aktivitäten anregt, wird sie als Bedrohung wahrgenommen. Als könnte sie den Menschen dabei bestimmte Dinge einschreiben, zu spezifischem Verhalten bewegen. In den Essays von Cooper sehen wir, was wir bei uns selbst schon immer wussten und der fremden Masse nicht ganz zugestehen wollten. Dass Menschen nicht so dumm und unüberlegt mit Medien umgehen, wie man oft glauben möchte.
Wir sollten bei fortschreitender Medienentwicklung allerdings auch darauf achten, dass wir ihnen die entsprechende Medienkompetenz in die Hand geben.

 

Das Video-Essay zum Thema Pornokonsum: 

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Why I started doing porn!

Von der Opernsängerin zur Pornoproduzentin: Mit Arthouse Vienna ist Adrineh Simonian einen radikalen Berufswechsel eingegangen und erklärt in ihrem VLOG die Hintergründe ihrer Entscheidung. 

 

In der ersten Folge ihres VLOGS spricht Adrineh mit Selbsthumor über ihre Karriere, ihr Interesse an Pornografie, und ihre Arbeit an der alternativen Pornoseite Arthouse Vienna.
Mit Hilfe des VLOGS möchte sie tabuisierten Themen eine Plattform geben, um besprochen und gehört zu werden. Viele Leute wissen nur wenig über Sex und noch weniger über ihre eigene Sexualität. Durch den VLOG soll diese Lücke geschlossen werden und auch verpönte Themen sollen offen und ehrlich behandelt werden. Also: stay tuned!

 

„I want to break the silence and give an input to talk about sex.“

 

 

 

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Du willst ein Blind Date? So geht’s

Bei Arthouse Vienna haben wir eine neue Form des Blind Dates erfunden, die seither heiß begehrt wird. Die Kategorie Blind Date öffnet nämlich einen reflektiven, ästhetischen und vor allem blinden Zugang zu Sexualität. Doch wie kann man mitmachen und was passiert hinter den Kulissen?

 

1. WAS?
Die Personen, die sich bei unserem einstündigen Film Blind Date begegnen, haben Sex miteinander ohne sich vorab je gesehen zu haben, noch miteinander gesprochen zu haben, geschweige denn etwas übereinander zu wissen. Das pikante Detail: sie werden sich auch während des Aktes nicht sehen können, da ihnen die Augen verbunden werden. Sie sind reduziert auf ihr Gehör, den Geruchssinn und ihren Tastsinn. Es gibt kein Skript und keine Vorgaben, nur zwei Menschen in einer außergewöhnlichen Situation. Wie sie damit umgehen ist einzig und alleine das Resultat der Persönlichkeit der Einzelpersonen, der Chemie zwischen ihnen und ihrer jeweiligen einzigartigen Dynamik. Wir wollen wissen: wie funktioniert die Psychologie des Sexes?
Um die Gedanken der Personen vor dem Experiment einzufangen, werden sie interviewt, und sprechen dabei unter anderem über ihre Zweifel, Hoffnungen und sexuellen Erwartungen.

 

 

2. WER? 
Um bei Blind Date mitzumachen, solltest du keine Scheu vor dem Gespräch haben, da du dich in einer Interview-Situation wiederfinden wirst. Du kannst folglich auch nicht anonym bleiben und musst damit einverstanden sein, dein Gesicht zu zeigen. Außerdem sollte dir bewusst sein, dass du während der Drehs durchwegs von der Arthouse Vienna-Crew umgeben sein wirst.

 




3. WIE? 
Ganz einfach! Wenn du das einzigartige Erlebnis von Blind Date ausprobieren möchtest, dann meldest du dich am besten bei uns auf Facebook  oder unter office@arthousevienna.at
Nachdem du Kontakt aufgenommen hast, werden wir uns die Zeit nehmen, dich kennen zu lernen, und all deine Fragen zu klären.
Wir werden im Lauf der Zeit folgende Anforderungen an dich stellen:
Wir brauchen einen Nachweis dafür, dass du keine sexuell übertragbaren Krankheiten hast, weshalb wir dich vor dem Dreh zu einem Test schicken werden.
Außerdem lernen wir die Beteiligten gerne vorab bei einem Blackbox-Dreh kennen, um zu sehen, ob sie sich vor den Kameras auch wohl fühlen. Klicke hier um mehr über den Blackbox-Dreh zu erfahren. Wenn sich bei dir kein Blackbox-Dreh zeitlich ausgeht, dann fragen wir dich meist nach Fotos von dir und deinem Körper. Denn wer uns keine Nacktfotos zusenden kann, der wird auch keinen Sex vor der Kamera genießen können.

 

4. WO UND WANN?
Die Location und der Zeitraum sind nicht fix festgelegt. Bei jedem Blind Date-Film werden wir neue Orte für die Interviews und den Akt wählen.

 

 

5. DER DREH 
Der Dreh wird aufgeteilt in den Dreh für das Interview und in den Dreh des sexuellen Akts, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden. Beide Drehs finden ohne jegliche Vorgabe und ohne Skript statt. Sowohl das Interview, als auch der Akt, sollen aus dem Moment heraus entstehen und authentisch sein.
Vor beiden Drehs wirst du von unserer Stylistin zurechtgemacht.
Bei beiden Drehs ist außerdem die Arthouse Vienna-Crew im Raum und steht hinter den 4 Kameras bereit, um die schönsten Bilder vom Geschehen einzufangen.
Sobald ihr euch Ertastet und gegenseitig genossen habt und fertig seid, könnt ihr die Augenbinden abnehmen und sehen, was dann passiert.

 

6. WOW WOW WOW 
Wir schneiden das Material zusammen und präsentieren dir eine spannende neue Episode von Blind Date. Im Lauf der Zeit laden wir sie auf unserer Homepage hoch. Jetzt bist du ein Teil von Arthouse Vienna, danke!

 

 

Kontakt über office@arthousevienna.at oder unsere Facebook-Seite.

Making Of:

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DU WILLST IN DIE BLACKBOX? SO GEHT’S

Bei der Kategorie Blackbox bei Arthouse Vienna mitzumachen, finden Viele spannend. Doch wie genau läuft das ab? Wer darf mitmachen und mit wem kann man in Verbindung treten? Bekommt man Partner*innen zugeteilt? Kann man anonym bleiben und schauen eigentlich alle vom Team beim Akt zu? Hier sind die wichtigsten Fragen zum Ablauf unserer Blackbox-Filmdrehs für dich beantwortet:

 

1. WAS?
Blackbox ist eine Kategorie von Arthouse Vienna, die mit Schattenspielen und ohne Regie oder Kameramann oder Kamerafrau arbeitet.


2. WER?
Bei uns mitzumachen ist ganz einfach und erfordert eine einzige Voraussetzung: Interesse!
Die Blackbox handelt in erster Linie von Authentizität und individuellem Selbstausdruck. Jeder Mensch ist daher vor der Kamera willkommen. Je einzigartiger umso besser. Ob alt oder jung, groß oder klein, dick oder dünn, hetero oder queer und so weiter und so fort sind alle bei uns willkommen, die Lust haben ihre Sexualität bewusst und vor einer Kamera auszuleben.
Jede*r, der*die das möchte, hat die Möglichkeit vor der Kamera zu masturbieren, und folglich alleine seine*ihre Sexualität zu genießen, oder eine*n Partner*in (oder gerne auch mehrere) mitzunehmen. Wir vermitteln auch gerne Personen, wenn diese nicht alleine vor der Kamera sein wollen, aber keine*n Partner*in haben.
Wir bieten außerdem absolute Anonymität an, wenn es sich um Masturbationsszenen handelt. Dabei richten wir die Kameras so ein, dass das Gesicht von vornherein abgeschnitten ist. Bei Paaren können wir die Anonymität wegen der größeren Bewegungen nicht so gut kontrollieren und daher nicht zu 100% gewährleisten. Wir bieten aber diverse Masken an, die dabei helfen können.

 

 

 

3. WO?
In einer geräumigen Wohnung bauen wir unser Set auf, das eine Black Box bildet. Mit Hilfe von schwarzem Stoff und schwarzen Laken kreieren wir für die Kamera einen schwarz verkleideten Raum. Das sieht ästhetisch aus und lenkt den Fokus auf die Person, die zu sehen ist, und nicht auf den Raum.
Das Set besteht im Grunde aus drei Kameras, Scheinwerfern und einem Bett. Mithilfe der Scheinwerfer entstehen schöne Schattenspiele im Bild.
Vor dem Loslegen verlassen wir den Raum, so dass diejenigen vor der Kamera ihre absolute Ruhe haben, und sich entfalten können. Somit wollen wir die Authentizität erhöhen und ein schönes und einzigartiges Erlebnis anbieten. Bei Paaren bitten wir darum im Raum bleiben zu können, um trotz der größeren Bewegungen, im Vergleich zu Masturbations-Sszenen, schöne Bilder gewährleisten zu können.


4. WANN?
Wir drehen für Blackbox in Etappen. Das bedeutet, dass wir immer wieder einen bestimmten Zeitraum auswählen, in dem wir mehrere Videos aufnehmen können.



5. WIESO?
Ganz einfach: es ist für viele ein außergewöhnliches Erlebnis. Diese Gründe und Intentionen haben diejenigen angegeben, die schon mitgemacht haben:
Ein schönes Video von sich oder von sich und seinem*r Partner*in zu haben, ästhetische und alternative Pornografie unterstützen, sich ein Mal ganz bewusst mit der Sexualität auseinandersetzen, die Kameras im Raum werden als anregend empfunden, Sich-Ausleben-Können, ein prickelndes Gefühl erleben, in einer neuen Atmosphäre einen neuen Zugang zum Körper erforschen, sich Zeit nehmen um sich zu spüren, eine Plattform haben, die jedem Menschen mit jedem Aussehen, jeder Sexualität und jeder Genderzugehörigkeit diese Möglichkeit anbietet.

 

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6. WIE?
Wenn das alles für dich ansprechend wirkt, kannst du dich bei uns auf Facebook melden oder unter: office@arthousevienna.at
Wenn du noch unsicher bist und Fragen hast, werden wir uns bemühen dir alle weiteren Details zu erklären und dir Beispiele zu zeigen. Wir können einander auch gerne treffen, wenn du dich damit wohler fühlst. Im letzten Schritt vereinbarst du mit uns einen Termin für deinen individuellen und hoffentlich aufregenden-entspannenden Dreh.


7. VORBEREITUNG?
Du darfst dir natürlich gerne Spielzeug mitnehmen und was auch immer dir sonst Lust bereitet. Dessous finden wir natürlich auch toll, sie sind aber kein Muss. Du kannst nackt starten oder angezogen – wie du möchtest. Wenn du gerne mit Kleidung/Dessous starten möchtest, dann wäre es großartig, wenn du zwei, drei Kleidungsstücke zur Auswahl mitnehmen könntest. Da wir uns in einer Black Box befinden, sind schwarze Kleidungsstücke meist unvorteilhaft. Tattoos oder andere individuelle Körpermerkmale darfst du natürlich gerne überkleben oder mit Kleidung verdecken.

 

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8. DER DREH
Am Tag des Drehs planen wir Zeit für ein Anfangsgespräch ein. In dieser Zeit sollst du dich zurechtfinden, runterkommen und wohlfühlen. Wir zeigen einige Filmbeispiele und das Set her. Außerdem legen wir dir einen Vertrag vor, der versichert, dass dein Video erst veröffentlich wird, wenn du damit zufrieden bist.
Sobald du oder ihr euch bereit fühlt, geht’s los. Wenn während des Drehs ein unangenehmes Gefühl entsteht, kann alles sofort abgebrochen werden! Wir möchten, dass du dich wohl fühlst. Das ist die wichtigste Regel für uns. Du darfst dir außerdem so lange Zeit lassen, wie du möchtest.
Anschließend kannst du gerne das Bad benutzen und duschen.


9. WOW WOW WOW
Dein Video ist fertig und wurde mit einer eigens komponierten musikalischen Installation versehen. Wir stellen dein Video im Laufe der nächsten Monate auf unsere Homepage. Jetzt bist du ein Teil von Arthouse Vienna, danke!

 

Kate & Adrian BB

 

Kontakt über office@arthousevienna.at oder unsere Facebook-Seite.

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31 reasons to feel body-positive

Ein positives Körperbild zu haben, hat wenig mit dem Körper und viel mit den eigenen Gedanken zu tun. Diese Liste mit 31 Tipps und Denkanstößen soll dabei helfen, die Sicht auf den eigenen Körper zu verändern, und ihn schätzen und lieben zu lernen. 


Viele Menschen kämpfen täglich mit Selbsthass wegen ihres eigenen Körpers. In einer Zeit, in der Medien so präsent sind und uns so viele Beauty-„Ideale“ vorsetzen, ist es auch schwierig sich selbst nicht in Frage zu stellen. Die meisten der „perfekten“ Bilder, die wir tagtäglich betrachten, sind aber keine Abbildungen echter Menschen, sondern retuschierte und computertechnisch perfektionierte Menschen. Selbstliebe und Selbstakzeptanz geht immer mehr verloren, obwohl das „Ideal“ nicht ein mal existiert und Photoshop heißt.

Jeder Mensch ist schön, so wie er ist. Das Aussehen des Körpers bestimmt nicht den Wert des Menschen. Im Gegenteil! Weder das Gewicht, noch die Prozente des Fettanteils oder Cellulite, Akne, Behaarung, keine Behaarung, schiefe Zähne oder Dehnungsstreifen noch Hautfarbe oder Brustgröße, Penisgröße, Haarfarbe, Narben oder Behinderungen und so weiter und so fort bedeuten, dass jemand mehr oder weniger wert ist. Im Gegenteil zeigen all diese sogenannten „Fehler“ eigentlich das, was am Allerallerallerschönsten an uns ist. Lasst uns uns selbst feiern, so wie wir sind, und einander gegenseitig bestärken, anstatt abzuwerten. Let’s spread Body-Positivity!

 

1. „Hello body you look lovely today and I promise to treat you with love.“ 

 

2. You are allowed to have the body you have now. All bodies are good bodies

 

3.  Fight the idea that there’s only one type of beauty

 

4. Stop apologizing for your body

 

5. Don’t be mean to yourself. You don’t deserve it. You are wonderful!

 

6. If you feel hungry. Eat. And eat what you want. If anyone lectures you about it. Let them go! Or eat them too

 

7. Thank your body for making your life possible, don’t destroy it for not looking like photoshopped models

 

8. Don’t feel pressured to absolutely adore every inch of yourself. Just try to focus on the good things

 

9. Let go of other peoples expectations and judgement

 

10. Celebrate your flaws. They make you awesome

 

11. Life happens now. And you are allowed to live it. You don’t have to wait for it

 

12. Do the things you are passionate about and don’t limit yourself

 

13. Strech marks and skin colorations are lovely

 

14. You don’t need toxic people in your fantastic life

 

15. Your body doesn’t exist to please others

 

16. You are more than enough. You are worthy

 

17. To be yourself is to be beautiful

 

18. Dessert goes to the heart not to the stomach!

 

19. If you want to look good naked. Get naked. You look sexy

 

20. Stop comparing yourself to anyone else

 

21. Throw your scale out of the window

 

22. Put on the clothes that make you happy

 

23. Refresh yourself with body positivity and appreciate your fabulousness (every day)

 

24. All humans have body hair

 

25. Don’t compare yourself to 5-years-ago-you. Fitting into those jeans won’t make you a better person

 

26. Learn to take a compliment

 

27. You are so magical. A number on a scale can’t take your power away

 

28. Allow yourself to grow and bloom

 

29. You are allowed to eat no matter how much you ate yesterday

 

30. Recognize that you are a masterpiece

 

31. You are allowed to love yourself n o w

 

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I am a Man. I am a Feminist. I do Porn.

Patrick Catuz, tedx Klagenfurt, I'm a man, I'm a feminist, I do porn

„Hi, I am Patrick, and I am a Feminist!“

Das Wort „Feminismus“ scheint immer noch als Schimpfwort verstanden zu werden. Das merkt man in feminist Hipstertown vielleicht nicht immer, aber wenn man aus seiner feministischen Blase einmal einen Moment rausschaut, wird man feststellen, dass man durchaus in Erklärungsnot gerät. Während es bei Frauen noch eher verstanden wird (wenn auch deshalb nicht zwangsläufig wohlwollender aufgenommen), so ist man als Mann schon ein exotisches Tierchen, wenn man sich Feminist nennt. Man muss da schon von vorne anfangen. Von ganz vorne.

Dabei könnte man die ganze Sache auch anders angehen. Umgekehrt gefragt: Warum fühlen sich so wenig Männer dafür zuständig? Sind wir etwa nicht in der Pflicht? Warum glauben alle, Männer würden damit an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen? Welche Positionen werden dem Feminismus attribuiert? Und wie spannend ist das Projekt eigentlich, wenn es mittlerweile nicht nur ganz selbstverständlich männliche Feministen, sondern auch feministische PornographInnen gibt?

 

Ich wurde zu einem TEDx Event in Klagenfurt eingeladen um darüber zu sprechen. Hier das Video:

TEDx Talk: „I am a Man. I am a Feminist. I do Porn.“

 

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Patrick Catuz, Autor, Feministische PornographiePatrick Catuz ist Autor, Filmemacher und Kulturarbeiter und lebt in Wien. Er ist Doktorand an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Er ist Autor des Buches „Feminismus fickt!“, das sich mit den Perspektiven feministischer Pornographie beschäftigt und produziert gegenwärtig bei Arthouse Vienna feministische, queere und künstlerische Pornographie.

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Adrineh bei Willkommen Österreich

Adrineh bei Stermann und Grissemann, Willkommen Österreich

Adrineh Simonian und Arthouse Vienna waren bei Willkommen Österreich. Dabei sprach sie mit Dirk Stermann und Christoph Grissemann über ihren Wechsel von der Oper zur Pornographie. Es ging auch um ihre neue Firma Arthouse Vienna und unserem Sex-Experiment „Blind Date“. Und wie eine Pornographie von morgen aussehen könnte.

 

Die Mezzosopranistin Adrineh Simonian kündigte ihr Engagement an der Wiener Volksoper und gründete die Filmproduktionsfirma „Arthouse Vienna“. Eines ihrer Werke ist derzeit im Wien Museum im Rahmen der Ausstellung „Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Ungehorsam“ zu sehen.

Die Filme von Adrineh Siomnian bewegen sich zwischen Kunst und Pornographie. „Wir forschen mittels experimenteller Verfahren körperlicher Ausdrucksweisen und der Psychologie des Sexes nach“, ist auf der Website zu lesen.

Die neueste Produktion von „Arthouse Viennea heißt „Blind Date“. Zwei Personen, die sich zuvor noch nie begegnet sind, treffen sich nackt mit verbundenen Augen und nähern sich allein auf körperlicher Ebene an. Vor und nach dem Erlebnis werden sie zu Erwartungen und Erlebtem interviewt.

15 Jahre lang war Adrineh Simonian Opernsängerin. Sie sang die großen Rollen wie Carmen und Cenerentola an der Wiener Volksoper und stand auf Opern-Bühnen in ganz Europa.

 

So das Webportal von Willkommen Österreich. Die ganze Sendung ist dort online abrufbar. Weitere Gäste waren Konrad Paul Liessmann & Michael Köhlmeier.

 

 

Hier das Gespräch mit Adrineh bei Willkommen Österreich:

 

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„i bleed every month. but do not die. how am i not magic.  –  the lie“

 

Nayyirah Waheed

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I am worthy

Dana Falsetti strahlt trotz Übergewicht vor Selbstliebe. Sie spricht in diesem Video über die Jahre, in denen sie sich selbst wegen ihres Körpers eingeschränkt und zurückgehalten hat. Auf ihrer lebensverändernden Reise hat sie neue Sichtweisen und Möglichkeiten gefunden. 

Das Problem vieler Menschen beschäftigt sich heutzutage mit dem „perfekten“ Körperbild. Überall strahlen trainierte Körper, weiße Zähne, pralle Brüste und lange Beine von diversen Plakaten auf die Gesichter der vorbeigehenden Passant*innen. „Wenn ich erst mal 10kg abgenommen habe, dann werde ich auch so aussehen, und dann kann ich leben, dann bin ich selbstsicher, dann falle ich sicher mehr auf, dann bin ich glücklicher.“ Ständiges Warten, Mit-Sich-Kämpfen, Sich-Hassen und Einschränken durchstreift den Alltag vieler Menschen. Doch wieso wird der Körper als ein Maßstab des Glücks gesehen? Wer sagt, dass ich glücklicher bin, wenn ich weniger wiege? Wer sagt, dass ich jetzt nicht tanzen, springen und lachen kann? Wer sagt, dass ich wertlos bin, wenn ich keine unrealistische 90-60-90 habe?

 

Danas Weg zur Selbstliebe

Dana Falsetti war dem Körperwahn ebenso unterlegen wie viele Menschen und hat gehungert, verzichtet, gewartet, sich eingeschränkt und folglich tatsächlich abgenommen, nur um zu merken, dass sich dadurch nichts an ihrerer unglücklichen Situation geändert hat. Inzwischen fühlt sich Dana trotz ihres Übergewichts und trotz all ihrer früheren Zweifel merklich frischer, wohler, sicherer und wertvoll und zwar in ihrem Körper, so wie er ist. An Danas Veränderung inspiriert mich daher besonders, dass sie vor Selbstliebe strahlt, ohne dem Körper-„Ideal“ zu entsprechen.

 

„I don’t feel constricted anymore by the way that I look physically. […] I am worthy.“

 

Ihre Grenzen und Zweifel hat sie durchbrochen, als sie begonnen hat, trotz ihres Übergewichts, Yoga zu praktizieren. Inzwischen beherrscht sie die schwierigsten Yoga-Positionen. Dana dachte immer in einem Körper zu stecken, der unbeweglicher und eingeschränkter wäre, als andere. Vor allem bei körperlichen Aktivitäten vertraute sie nicht auf sich selbst und stufte sich ab. Doch das einzige, das ihr und ihrem Körper gefehlt hatte, war Selbstliebe.
Sie baute also Nähe zu ihrem Körper auf, begann ihn durch Yoga zu spüren und ihr Leben mit etwas zu füllen, das sie mag, wofür sie brennt, und das sie bereichert. Die eigen auferlegten Grenzen, hat sie in wundervolle Möglichkeiten übersetzt.

 

          „Here I am in this body that I felt like limited me my entire life and I am on my yoga
mat
 doing things that I didn’t think were possible.“

 

Danke Dana!

Ich finde Dana Falsetti irrsinnig inspirierend und genieße die Sanftheit, die sich durch ihre Worte auf mich legen. Ich kann ihre Tutorials Yoga-Anfängern und -Liebhabern empfehlen, als auch zur Selbstliebe-Erfrischung. Ich genieße es einen normalen und authentischen Körper auf meinem Bildschirm zu sehen, während ich Yoga mache, und mich nicht durch die üblichen schlanken Yoga-Vertreterinnen verunsichert zu fühlen. Da merke ich, dass ich mich dazu verführt fühle, mir selbst mehr Zuneigung und liebevolle Gedanken zu schenken.
Eigen auferlegte Grenzen und Unsicherheiten können also sehr wohl aufgebrochen werden, auch wenn es auf den ersten Blick nicht möglich scheint.

 

Dear Reader: You are worthy! You have always been worthy! You have always been strong!
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Blind Date: Ein Experiment

Was passiert, wenn zwei Leute Sex haben, die sich nicht kennen? Die sich noch nie gesehen haben und auch währenddessen nicht sehen werden? Die auf ihren Tastsinn, ihren Geruchssinn und ihr Gehör reduziert sind?

Genau das haben wir versucht herauszufinden. Wir haben zwei Menschen gecastet, die sich auf dieses Experiment einlassen wollten. Beide haben keinerlei Erfahrungen im Film, schon gar nicht mit dem Dreh von Pornos. Ein hohes Risiko, hat man in der Regel bereits bei einem gewöhnlichen Dreh von sexuellen Szenen mit Amateuren eine hohe Ausfallswahrscheinlichkeit: Nicht wenige auch noch so gut vorbereitete bekommen in letzter Sekunde kalte Füße. Umso höher schien uns hier das Risiko, war der Einsatz ja noch um einiges höher, da sie auch noch des Sehens beraubt in die Situation gehen sollten.

Was wir uns allerdings überlegt hatten, war, dass es kein Scheitern gab. Wir hatten keine konkreten Erwartungen an das Verhalten der Teilnehmenden. Es gab keine Vorgaben, wie der Film aussehen sollte, der diesem Experiment entspringt. Was auch immer passiert, es ist Ergebnis des Experimentes und wird demnach in die Dokumentation eingehen. Was geschehen sollte, überraschte uns allerdings alle!

Das Experiment wurde ausgiebig dokumentiert. Wir haben mit beiden Teilnehmenden im Vorfeld Interviews geführt. Darin haben wir sie zu ihren Erwartungen, Wünschen und Sorgen befragt, zu ihrer Werthaltung und zu ihrer sexuellen Geschichte und ihren Vorlieben. Direkt nach ihrem Aufeinandertreffen haben wir mit beiden gemeinsam gesprochen. Sie nahmen gleichzeitig die Augenbinden ab und sahen sich zum ersten mal. Sie haben ihre Erfahrung reflektiert und ihr Erleben geschildert. Wir haben sie aber auch gefragt, ob ihr Anblick nun ihre sinnliche Erfahrung bestätigt.

Wir sind mit dem Ergebnis und mit unserer eigenen Erfahrung dieses ungewöhnlichen Pornodrehs so glücklich, dass es sicher nicht unser letztes Blind Date war!

 

Making of Blind Date

Wir stellen in unserem Making of auch gleich das Team von Arthouse Vienna vor und geben Einblicke in den Dreh eines Arthouse Porno.

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„Let’s continue this conversation in bed, she whispered, my legs can’t wait to hear what your hands have to say.“

Michael Faudet

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Was uns erotische Zeichnungen der Romantik über Porno sagen

Was alternativen oder neuen Porno vom Mainstream trennt und wonach wir in unserer Arbeit suchen lässt sich anhand der alten Künste illustrieren. Erotische Zeichnungen bedürfen eines anderen sinnlichen Zuganges als audiovisuelles Material. Das liegt schlicht daran, dass sie sich nicht bewegen und keine Geräusche machen. Es bedeutet andererseits aber auch, dass man sich mehr Zeit nehmen muss, möchte man sich auf sie einlassen. Sie erzählen eine Geschichte, deuten eine Bewegung. Man befindet sich an einer spezifischen Stelle im Fluss einer sinnlichen Interaktion an. Sie geben uns allerdings nur eine Momentaufnahme und überlassen die Geschichten der Menschen unserer Vorstellungskraft. Das „Vor“ sowie das „Nach“ des Bildes dieses einen Momentes obliegt einzig unserer Phantasie.

Die Werke, die ich zur Veranschaulichung gewählt habe, sind von Mihály Zichy. Er war ein ungarischer Maler im 19. Jahrhundert. Er lebte lange in armen Verhältnissen, bis er vom russischen Zaren zum Hofmaler ernannt wurde. Er gehörte der Romantik an, was bedeutet, dass er sich vornehmlich für die Phantasie, das Unbewusste, Sinnliche oder auch Unheimliche interessierte. Im Gegensatz zur Klassik strebt die Romantik nicht nach Vollendung, sondern nach Unendlichkeit, nicht nach Objektivität, sondern nach der subjektiven Empfindung.

 

Die Suche nach dem Unsichtbaren – Überkompensation oder Transzendenz

Beachtlich an seinem Werk ist die recht vorurteilsfreie Betrachtung von Sex. Ihn interessierte dabei vor allem das Übersinnliche. Es ist jene Komponente, die sich ähnlich der Fotografie oder dem Film auch der Malerei entzieht. Damit hat er sich wohl schon damals Fragen gestellt, die über die simple Abbildung der Sexualität hinausgehen. Ähnlich den New Pornographers, die ständig auf der Suche danach sind, wie das sinnliche Moment, das intensiv Fühlbare und nicht nur das visuell Sichtbare der Sexualität vermittelbar ist, interessierte er sich für das Transzendente des Aktes.

Es ist eine Frage, die immer noch aktuell ist. Wenig reflektiert löst es der Mainstream des Pornos mit dem Gebot der maximalen Sichtbarkeit: Lust ist, wo man Lust sieht. Doch was sieht man an der Lust? Penetration und Ejakulation. Doch was drückt es mehr als körperliche Vorgänge aus? Was sagt es über das Empfinden? Was vermag es über Lust zu vermitteln? Über Sinnlichkeit? Über zwischenmenschliche Verbindungen durch das Körperliche und nicht über Körperlichkeit als Selbstzweck?

Erotische Zeichnung der Romantik, Mihaly Zichy

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Intimität im Erotikfilm

 

Über mehrere Jahre (1964-1967) drehte Künstlerin und Feministin Carolee Schneemann den stummen Film „Fuses“, der sie und ihren damaligen Freund James Tenney beim Sex zeigt.

Ihre Selbstaufzeichnungen wurden mit Hilfe von 16mm festgehalten und anschließend künstlerisch von ihr bearbeitet. Durch das Verfremden des Filmmaterials mit Mitteln wie Färbung der Filmstreifen, Überblendungen, Flecken und Brandspuren ist „Fuses“ eine spannende Kollage aus sinnlichen, erotischen und abstrakten Bildern geworden.

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Worum gehts?

Der Film basiert im Grunde auf keiner deutlichen Geschichte, sondern zeigt die Nähe zweier Menschen zueinander und spricht ihre Verschmelzung an, den Sex und die Berührungen. Sinnlichkeit, Farben, Lichtspiele, flackernde Bilder und die Erzeugung einer intimen Atmosphäre prägen den Film. Detailaufnahmen und ständige Perspektivenwechsel verhindern eine klare Sicht auf das Geschehen, während sie gleichzeitig bannen. Ein Rhythmus von ständigem Entstehen, Sich-Entwickeln und Wieder-Abbrechen wird durch Carolee Schneemanns eingesetzte Mittel spürbar.

Der Film zeigt den weiblichen und männlichen Körper in all seinen Facetten und thematisiert Begierde, Sexualität und Körperlichkeit ohne den Kunst-Kontext zu verlieren. Die freie Sicht auf entblößte Genitalien, und die folglich direkte Konfrontation mit Tabu-Themen, erzeugen zwar Radikalität und bestimmen die Stimmung, durchbrechen aber trotzdem die Ästhetik des Films nicht. Und vor allem an diesem Punkt setzt meine Bewunderung für Carolee Schneemanns Schaffen an: Es handelt sich bei „Fuses“ um einen radikalen Film, der durch einige Nahaufnahmen durchaus provoziert und Tabus bricht, und dennoch keine Sekunde seinen Kunstcharakter verliert.

 

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Der Unterschied zu Pornografie

Carolee Schneemann stellte sich der Frage, ob sich die Aufzeichnung des eigenen sexuellen Aktes von Pornografie unterscheiden würde. Die Antwort lauet in ihrem Fall definitiv: Ja! Auch wenn in feministischen Kreisen „Fuses“ nicht viel Aufmerksamkeit erlangt hat, finde ich den Film irrsinnig wichtig und spannend hinsichtlich der Frage nach der Grenze zu Pornografie. Im Gegensatz zu pornografischen Filmen wird die Frau in „Fuses“ in ihrer eigenen Sexualität dargestellt. Carolee Schneemann entwirft Sex so, wie sie ihn erlebt, wodurch das Betrachten ihres Films Intimität und Sinnlichkeit erzeugt. „Fuses“ braucht keine Unterdrückung oder Fetischisierung der Frau, um funktionieren zu können, oder um Begehren sichtbar zu machen, was ihn deutlich von pornographischen Strukturen abhebt. Das beweist schon im Jahr 1967, dass keine männlich dominierte Sichtweise notwendig ist, um sexuelle Akte ansprechend entwerfen zu können. Die Regeln der Pornografie treffen auf „Fuses“ nicht zu und visualisieren sexuellen Kontext ohne auf die üblichen Mittel zurückgreifen zu müssen. Ein erotisches Kunstwerk ist somit entstanden.

 

„…I wanted to see if the experience of what I saw would have any correspondence to what I felt– the intimacy of the lovemaking… And I wanted to put into that materiality of film the energies of the body, so that the film itself dissolves and recombines and is transparent and dense– as one feels during lovemaking… It is different from any pornographic work that you’ve ever seen– that’s why people are still looking at it! And there’s no objectification or fetishization of the woman.“
Carolee Schneemann

Das Gesehene ist also undeutlich, trotzdem sehr nah und gleichzeitig sprunghaft. Der Blick ist durch die stark verzerrenden Gestaltungsmittel verschleiert und doch sehr zielgerichtet und immer im Rahmen von Sinnlichkeit und Erotik erlebbar. Meiner Meinung nach hat Carolee Schneemann einen sehr faszinierenden Film entworfen, der Handlung durch Stimmung ersetzt, und in eine ferne und doch bekannte Welt entführt. Seht ihn an und lasst euch fallen!

Und die Moral der Geschichte: Es entsteht großartiges, wenn man sich vorgegebenen Regeln entzieht, und neue Darstellungsweisen und Formen ausprobiert.

 

 

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Have you ever had a taste of heaven?


Künstlerin
 Na Kim
 hält in ihren Illustrationen eine Sammlung von Alltagssituationen und Gedanken fest. In den Bildern stecken viel Ehrlichkeit, Intimität, Leere und auch Einsamkeit. Vor allem sexuelle Interaktionen und Empfindungen während zwischenmenschlicher Beziehungen werden von Na Kim thematisiert.

Viele der Bilder wirken für mich kunstvoll und abstrakt, wodurch sie für mich inspirierend und gedankenanregend sind. Eine Art Traurigkeit, Mitgefühl und auch Sehnsucht und der Eindruck von Echtheit und Selbstreflexion packt mich beim Betrachten ihrer Arbeit. Das Spiel zwischen Melancholie und Realität finde ich schön und möchte deshalb einige ausgewählte Arbeiten auch auf purpurr teilen. Die Bilder sind sehr ausdrucksstark und zeigen außerdem großartigen Mut zu Farbe und nach einiger Zeit fragt man sich plötzlich: Have I ever had a taste of heaven?

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Goodnight Moon Series, Na Kim, 2016. Gouache on paper by Na Kim 2016
Gouache on Paper, Na Kim, 2016. Na Kim 2016Gouache on Paper, Na Kim, 2016.
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Feel U, Ink on Paper, Na Kim, 2015.
the measure of our silence
Pencil on Paper, Na Kim, 2015. Na Kim 2016Gouache on Paper, Na Kim, 2016. he-longs-to-be-peeledHe longs to be peeled, Pencil and Gouache on paper, Na Kim, 2015.tumblr_o3foefcfsu1qzr633o1_1280Gouache on Paper, Na Kim, 2016. Na Kim 2016Gouache on Paper, Na Kim, 2016.

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History is Off (series), Pencil on Paper, Na Kim, 2014.na-kim-fuck-it
Na Kim, 2016.
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Blut! Kämpferisch gegen das Menstruationstabu

„Blood“ ist der erste Spot, den ich je gesehen habe, der Frauen und Menstruation nicht nur im Kontext von Scham und Hygiene darstellt, sondern als stark und kämpferisch – gerade auch während der Periode. Damit ist es ein starkes Zeichen gegen das Menstruationstabu.

Eine Bekannte hat mir einmal erzählt, dass ihr damaliger Partner sie schockiert darauf hingewiesen hat, sie solle nicht über ihre Menstruation sprechen. Das sogenannte Menstruationstabu (menstrual taboo) wird in den USA schon länger thematisiert. Es geht um jegliche Tabuisierung und soziale Stigmatisierung von Menstruation und menstruierenden Frauen. Menstruation wird dabei häufig als schmutzig oder peinlich konstruiert.

 

Öffentlich/Privat

Viele Tabus beschränken sich dabei auf die öffentliche Sphäre. Ein Bild der Künstlerin Rupi Kaur wurden von Instagram gelöscht, weil sie gegen die Richtlinien verstoßen würden. Ein roter Punkt auf Baumwolle war genug des Anstoßes. Sie wollte mit ihren Bildern gegen die Tabuisierung von Menstruation vorgehen und Instagram lieferte prompt ein eindrucksvolles Beispiel dafür.

Inhalte von Breastfeeding und Menstruation werden in den meisten sozialen Netzwerken geblockt oder gelöscht. Beides betrifft menschliche Realitäten, die sogar mit etwas so elementarem wie unserem Fortbestehen in Verbindung stehen. Da sie jedoch auch vor allem den weiblichen Körper betreffen, ist offenkundig, dass vor allem weibliche Körper und Körperfunktionen kontrolliert werden sollen.
(Nicht Nippel im Allgemeinen sind problematisch – nur weibliche Nippel sind es)

 

thank you @instagram for providing me with the exact response my work was created to critique. you deleted a photo of a woman who is fully covered and menstruating stating that it goes against community guidelines when your guidelines outline that it is nothing but acceptable. the girl is fully clothed. the photo is mine. it is not attacking a certain group. nor is it spam. and because it does not break those guidelines i will repost it again. i will not apologize for not feeding the ego and pride of misogynist society that will have my body in an underwear but not be okay with a small leak. when your pages are filled with countless photos/accounts where women (so many who are underage) are objectified. pornified. and treated less than human. thank you. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀ ⠀ this image is a part of my photoseries project for my visual rhetoric course. you can view the full series at rupikaur.com the photos were shot by myself and @prabhkaur1 (and no. the blood. is not real.) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀ ⠀ i bleed each month to help make humankind a possibility. my womb is home to the divine. a source of life for our species. whether i choose to create or not. but very few times it is seen that way. in older civilizations this blood was considered holy. in some it still is. but a majority of people. societies. and communities shun this natural process. some are more comfortable with the pornification of women. the sexualization of women. the violence and degradation of women than this. they cannot be bothered to express their disgust about all that. but will be angered and bothered by this. we menstruate and they see it as dirty. attention seeking. sick. a burden. as if this process is less natural than breathing. as if it is not a bridge between this universe and the last. as if this process is not love. labour. life. selfless and strikingly beautiful.

Ein von rupi kaur (@rupikaur_) gepostetes Foto am

 

 

Es ist hier aber nicht nur eine Sache dessen, was öffentlich als manierlich gilt. Durch unseren gesellschaftlichen Umgang damit wird Mädchen vermittelt, es sei unangebracht darüber zu reden. Vor allem nicht mit Männern, denen im allgemeinen Körperfunktionen zu verheimlichen sein, um attraktiv zu sein. Die Frage, ob man überhaupt auf’s Klo gehen sollte, wenn der Freund in der Nähe ist, geht regelmäßig bei BRAVO’s Dr. Sommer ein. Die Attraktivität von Dekoration wird ihnen in jungen Jahren als erstrebenswert vermittelt, keinesfalls jedoch die eines normalen Menschens (denn ein solcher hätte normale Körperfunktionen).

 

Das Menstruationstabu ist kulturell verankert

Es ist tief in unserer Kultur verwurzelt die Menstruation als unappetitlich und peinlich zu konstruieren (vor allem in religiösen Traditionen). Der weibliche Körper wird erneut als problematisch, unberechenbar, zerbrechlich und schmerzbehaftet bewertet. Das verweist Frauen auf einen speziellen Platz und spricht ihnen indirekt bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten ab. Es wäre genauso gut möglich, Frauen gerade durch die Erfahrung der Menstruation als kämpferisch und durchhaltevermögend darzustellen.

Die meisten Werbespots von Menstruationsprodukten beschränken sich jedoch darauf, die Mythen aufrechtzuerhalten. Ohne über das gewissen Etwas direkt zu sprechen, versucht man dennoch Kaufanreize zu schaffen. Ein verquerer Fall des Menstruationstabus, aber ein umso anschaulicher. Sauberkeit ist wohl wichtigstes Kriterium. Nicht jedoch, Frauen mitzuteilen, sie seien durch die Menstruation nicht schmutzig. Durch das Produkt könnten sie trotz Menstruation den Anschein wahren, sauber zu sein. Niemand wird etwas davon merken. Weder optisch, noch durch Gerüche.
Uns scheint das Menstruationsblut so unangenehm zu sein, dass sie nicht nur unrealistisch darstellen, sie ändern auch gleich die Farbe. Werbespotsverwenden stets bläuliche, klar durchsichtige und dünnflüssige Flüssigkeiten, um Menstruationsblut darzustellen.

 

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Eine Gesellschaft, die so mit natürlichen und körpereigenen Vorgängen umgeht, vermittelt den Betroffenen nichts Gutes. Das Menstruationstabu verheimlicht und sagt damit sehr viel: Damit muss ja quasi etwas nicht in Ordnung sein. Und deshalb müssen wir superawkward damit umgehen.

In My Girl (1991) hat die Hauptfigur, die kleine Vada, ihre erste Periode. Sie wird darüber aufgeklärt, was das bedeutet, allerdings nicht vor der Kamera. Das Gespräch geht nicht in den Film ein. Das Thema wird nicht mehr aufgebracht, bis Thomas sie wieder von zuhause abholen möchte. Sie stößt ihn von der Veranda und der Junge geht zu Boden. „Tauche fünf bis sieben Tage nicht mehr hier auf!“ schreit sie ihn an und wirft die Tür zu. Deine Periode ist weird, dein Körper ist weird, du bist weird. Bis zu dem Klische, Frauen seien weird. Zumindest oder auf jeden Fall, wenn sie ihre Tage haben.

Was wir von der Menstruation halten und wie wir damit umgehen ist also mehr, als die Reaktion auf ein bisschen Blut. Es geht darum, wie wir Frauen sehen und mit ihnen umgehen. Eine Umdeutung von schmutzig und unberechenbar zu kämpferisch und durchhaltevermögend ist nicht nur möglich, sondern auch naheliegend. Das Menstruationstabu ist ein zentraler Faktor unserer gegenwärtigen sexistischen Kultur. Im Aktivismus oder der Kunst kennen wir diese Versuche schon länger. Dass es mittlerweile schon in die Werbung eingegangen ist, wie im Spot „Blood“, ist umso erfreulicher.

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Porno im Museum


Porno im Museum? Ja, tatsächlich. Arthouse Vienna ist mit einem Beitrag auf der Ausstellung „Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Ungehorsam.“ zu sehen. Mit einer ganz neuen Art des Pornos. 

Die Ausstellung findet vom 5. September bis 22. Januar im Wien Museum am Karlsplatz statt. Die Ausstellung selbst ist eine Kooperation mit QWIEN, dem Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte und das größte Archiv und Bibliothek Österreichs zu lesbisch/schwuler Kultur und Geschichte. Dem Zentrum ist es auch zu verdanken, dass wir als zeitgenössische Wiener Pornomachende im Museum vertreten sind.

 

Sex als Freiheit des Urbanen

In der Ausstellung geht es um die Geschichte von Sex in Wien. Urbanisierung hat geschichtlich betrachtet Umdeutungen von Körperlichkeit und Sex stark geprägt. Städte verfügen über größere Freiräume und geringere soziale Kontrolle als der rurale Raum und seine engeren Gemeinschaften. Das bot Anonymität und versprach die Erfüllung der sexuellen Wünsche, selbst wenn sie unorthodoxer waren. Aufgrund der Masse an Menschen lassen sich auch eher gleichgesinnte finden. In der modernen Stadt kommt es gar zur Szenenbildung.
Es handelt sich bei unserem Beitrag um ein Video der Reihe Blackbox, ein ästhetisch geschnittener Clip, der die Grenzen zwischen Kunst und Pornographie verwischen lässt. Wir freuen uns auf diese Anerkennung, über diesen wichtigen Schritt in der Aufwertung der Pornographie in Popkultur und Kunst und natürlich auch auf Sex und Porno im Museum.

Sex in Wien Porno im Museum

Sex in Wien Porno im Museum

 

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Boys don’t cry – Männer weinen nicht

 

Männer weinen nicht

Oder bestenfalls in Extremsituationen, einschneidenden Lebensereignissen. Tatsächlich sind sie durch die typisch männliche Sozialisation ziemlich weit von sich selbst entfernt. Das Bild von Männlichkeit verlangt Männern ab, die Kontrolle zu behalten, überlegen zu sein, da sie sonst als entmännlicht, verweiblicht, machtlos, wertlos wahrgenommen werden. Mit Scham und Schuld konfrontieren sie sich selbst, mit Spott und Hass die anderen.

Von Kindheit an ist das ein Training zur Mannwerdung, eine Sozialisation hin zur Unterdrückung der Schwäche- und Trauererfahrung. Es ist eine Unterdrückung fundamentaler menschlicher Gefühle und damit eine teilweise Abspaltung des selbst. Diese Strebungen zeigen sich nämlich trotzdem, werden jedoch in der Außenwelt verortet, wo sie dann als Probleme definiert auch gelöst werden müssen. Eine innere Strebung muss dann also im Außen abreagiert werden. Ein Gefühl der Trauer oder Frustration kann so zu einer Handlung der Gewalt oder Aggression werden.

Es ist wie eine Art Panzer, durch den kaum etwas nach innen dringt. Aber das, was da ist, bleibt da und es kommt raus, ob man möchte oder nicht. Es stellt sich nur die Frage, in welcher Art und Weise dies geschieht, was die gesündere Form für einen selbst ist, was nicht doch die besseren Konsequenzen für das Umfeld hätte, ja für die Gesellschaft insgesamt.
Dafür muss man sich einem selbst stellen und Gefühlen, die dem männlichen Selbstbild fundamental widersprechen. Es kostet sehr viel Überwindung. Selbst beim besten Willen ist es noch eine schwere, für viele sehr verhärtete Männer, vielleicht sogar unlösbare Aufgabe.

Weine!

Es ist erlösend, heilsam. Ich weine nicht, weil ich gebrochen bin. Ich weine, weil ich mich heilen kann. Der Hass, der sich gegen weinende Männer richtet, ist die eigene Wunde, die diese Menschen empfinden. Lasst euch heilen!

 

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Hi I’m a slut – Ein Slam Poem von Savannah Brown

Savannah Brown spricht in ihrem Slam Poem „Hi I’m a slut“ die unterdrückte Sexualität der Frau an. Sie beschreibt eingefahrene Gedanken über den Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Sexualität.

Sie benutzt ihre Stimme, um auszudrücken, dass Frauen nicht nur visuelle Erreger für Männer sind, oder dafür verantwortlich visuelle Lust durch das Sich-Hineinzwängen in bestimmte Körperformen und Konventionen zu erzeugen. Auch Frauen können, dürfen und sollen ihre Sexualität, so wie sie wollen, ausleben ohne dabei als „Schlampe“ bezeichnet zu werden. Frauen sind mehr als rohes Fleisch, mehr als Puppen und leere Hüllen. Frauen sind mehr als Sexualobjekte. Frauen haben eine eigene Meinung, eigene Grenzen und eigene Empfindungen. Frauen sind nicht für den heiligen, männlichen Orgasmus oder für die Erzeugung der Lust des Mannes am Leben. Savannah Brown betont mithilfe starker Worte, dass Frauen ihre eigene Lust und ihre eigene Sexualität haben, die sie einzigartig und wertvoll macht. Hier ist ihr gesprochener Text nachzulesen:

 

w o r d s / /
hi, i’m a slut. what? you can’t be surprised
when you’ve spent my entire life deciding woman equals sexualize,
in ninth grade a man told me i have good blow job eyes
hi, i’m a slut. but what does that mean
i’m unclean, i’m less pure, i sleep around, sure
but isn’t that what you were begging for?
hi, i’m a slut. and science disagrees
but let’s ignore anatomy and joke that my vagina is wide enough to fit
an entire football team or, even,
your narcissism
but no one’s is big enough for that

you think an orgasm for you is like oxygen for me
like when i am going down on you i’m actually sucking up life
retrieving my very soul from inside your stomach
and an orgasm for me is like—well, maybe. if you have time
and since you can’t see it it probably doesn’t exist anyway
i was probably faking it anyway, women don’t like sex anyway
you’re pretty sure the clitoris is just a myth
so when it comes to my pleasure no one really gives a shit
unless i can come like a man because then i’m a fetish

or if i’m a virgin. that makes me a fetish too
but doesn’t that also mean i’m a prude
everything i do is an invitation for your condemnation
regardless of the angle of the delicate arch in my back
marked down on your scale from zero to loose
and if i had learned anything that didn’t have to do with
how to make my hair fall daintily over my breasts
or how to make my lips softer and more like a graveyard
untouched and where grown men go when they feel dead inside
or how to make my aura more alluring, but not too alluring
that’s something a skank would do
i’d tell you that when two opposing forces meet they cancel
so it sounds to me like you just don’t want me to exist.

i am raw meat in a slaughterhouse
packaged according to what you are hungry for that day
i am identified by my thighs and my moans and my sighs
even though you keep telling me i shouldn’t be making noise in the first place
keep your mouth shut unless i’m the one putting something in it
it’s funny, the ones who cry whore the loudest
are the ones who are thirstiest for my blood

and my love only starts to matter and
stops being make-believe, a fantasy when you’re watching lesbian porn
but they quickly discover that actually
what they’ve been missing this whole time is your cock
you’re looking to “experiment” in the same way i must be “experimenting”
like a science fair where the prize for
equating my entire personhood to your dick
is that you get two women who are disgusted by how your
breath reeks of desperation instead of just one

you’re damn right my body is a temple
i am the god it was built for

i am the landlord
and i can let whoever i want live inside it

hi, i’m a slut and no, that doesn’t mean
i am nothing but flesh to grab
with your red stained hands
that you’ve sterilized with excuses in case i shout
so when i do you can tell everyone that
hi, i’m a slut and no
and that doesn’t mean i am nothing
but sweat and blow job eyes
hi, i’m a slut
and no that doesn’t mean i am nothing but the girl who was asking for it
hi, i’m a slut and no,
and that doesn’t mean i am nothing.

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Girl-Power: Popkultur und Feminismus

 

Popkultur wird die Welt nicht ändern. Aber sie erinnert uns daran, dass wir sie ändern sollten!

 

Zwanzig Jahre nach dem Spice Girls Hit ist der Aufruf zu „Girl-Power“ wieder aufgeflammt. Der Begriff begegnet einer neuen Generation nicht mehr als Pepsi-Commercial auf MTV, sondern als Viral im Netz. Die Spice Girls waren zweifelsohne relevante Figuren in der Entwicklung des oft despektierlich als Lipstick-Feminism abgetanen Strömung. Sie gehört zu einer weißen, urbanen, gebildeten aber auch unterhaltungs- und popkulturaffinen Seite des Feminismus. Ihre Ikonen sind häufig Zugpferde der Marketingmaschinerie von Großkonzernen und Major-Plattenlabels. Als Teil des Establishments halten sie bestehende Strukturen aufrecht, vor allem wenn es um Kapitalismus geht. Und doch leisten sie einen Beitrag zur selben Sache.
Von den Spice Girls zu Beyonce –so viel Lemonade sie auch aus den Zitronen machen, die ihnen das Leben beschert – die Welt wird bestimmt nicht von Hitsongs oder Viral Videos geändert. Aber sie erinnern uns daran, dass wir sie ändern sollten.