Boys don’t cry – Männer weinen nicht

 

Männer weinen nicht

Oder bestenfalls in Extremsituationen, einschneidenden Lebensereignissen. Tatsächlich sind sie durch die typisch männliche Sozialisation ziemlich weit von sich selbst entfernt. Das Bild von Männlichkeit verlangt Männern ab, die Kontrolle zu behalten, überlegen zu sein, da sie sonst als entmännlicht, verweiblicht, machtlos, wertlos wahrgenommen werden. Mit Scham und Schuld konfrontieren sie sich selbst, mit Spott und Hass die anderen.

Von Kindheit an ist das ein Training zur Mannwerdung, eine Sozialisation hin zur Unterdrückung der Schwäche- und Trauererfahrung. Es ist eine Unterdrückung fundamentaler menschlicher Gefühle und damit eine teilweise Abspaltung des selbst. Diese Strebungen zeigen sich nämlich trotzdem, werden jedoch in der Außenwelt verortet, wo sie dann als Probleme definiert auch gelöst werden müssen. Eine innere Strebung muss dann also im Außen abreagiert werden. Ein Gefühl der Trauer oder Frustration kann so zu einer Handlung der Gewalt oder Aggression werden.

Es ist wie eine Art Panzer, durch den kaum etwas nach innen dringt. Aber das, was da ist, bleibt da und es kommt raus, ob man möchte oder nicht. Es stellt sich nur die Frage, in welcher Art und Weise dies geschieht, was die gesündere Form für einen selbst ist, was nicht doch die besseren Konsequenzen für das Umfeld hätte, ja für die Gesellschaft insgesamt.
Dafür muss man sich einem selbst stellen und Gefühlen, die dem männlichen Selbstbild fundamental widersprechen. Es kostet sehr viel Überwindung. Selbst beim besten Willen ist es noch eine schwere, für viele sehr verhärtete Männer, vielleicht sogar unlösbare Aufgabe.

Weine!

Es ist erlösend, heilsam. Ich weine nicht, weil ich gebrochen bin. Ich weine, weil ich mich heilen kann. Der Hass, der sich gegen weinende Männer richtet, ist die eigene Wunde, die diese Menschen empfinden. Lasst euch heilen!