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Alle hassen GENDER STUDIES?

Alle hassen Gender Studies, Feminismus, Sabine Hark, Alice Schwarzer, Antigenderismus

Alle hassen Gender Studies? Was ist an einem wissenschaftlichem Feld so unangenehm, dass es die Gemüter so erregt?

Entstanden sind die Gender Studies im Zuge der feministischen Bewegung. Frauen waren von Bildung lange Zeit ausgeschlossen. Vor allem der Ausschluss von höherer Bildung hielt sehr lange an. Der Frauenbewegung ist die Öffnung von Bildungsinstitutionen zu verdanken. Als Frauen studieren konnten, reichte ihnen das aber nicht.Nicht nur Männer können Subjekt der Wissenschaft sein – Frauen wollten auch Wissenschaft betreiben. Und sie wollten die Verhältnisse unter die Lupe nehmen, welche sie so lange davon abgehalten haben. Die Frauenforschung war geboren.

 

 

Wie haben sich die Gender Studies entwickelt?

Die Frauenforschung entwickelte sich über die Jahre zu den Frauen- und Geschlechterstudien und schließendlich so ca. ab den 90er Jahren zu den Gender Studies. Das passt sowohl zu den Strömungen innerhalb des Feminismus, wie dem Wandel vom Second Wave zum Third Wave. Die erste Welle war noch identitätspolitisch auf starke Kategorien fixiert, was politisch auch gut mobilisieren konnte. Andererseits steckte man in starren Mann-Frau Dichotomien fest, reproduzierte zum Teil sexistische Annahmen. Mit aufkommen der LGBTQ-Bewegung und Diversity als gesellschaftlicher Notwendigkeit, entwickelte sich ein Third Wave. Dieser erkennt Geschlecht stärker als Konstrukt. Das passt auch gut zu den Entwicklungen der jeweiligen Wissenschaftlichen Paradigmen, wie der vom Strukturalismus zum Poststrukturalismus. So haben sich Queer Studies entwickelt. Auch ist mittlerweile kritische Männlichkeitsforschung Teil der Gender Studies, wie auch ein männlicher Feminist denkbar geworden ist.

 

Sabine Hark über das Verhältnis von Feminismus und Gender Studies:

 

Was machen Gender Studies?

Die Gender Studies analysieren gesellschaftliche Verhältnisse, die auf Geschlecht bezogen sind. Sie haben ein rein auf das Verstehen bezogenes Interesse, wenn sie auch kritisch forschen. Politik betreiben sie nicht, das macht der Feminismus. Dieser leitet seine Politik gerne aus den Schlüssen der Gender Studies ab. Ebenso werden viele Menschen, die Gender Studies betreiben, mit feministischen Forderungen sympathisieren. Dasselbe sind sie aber dennoch nicht. Man könnte sagen, es wären zwei Seiten derselben Medaille. Die Analytische und die Politische.

Nun ist nicht jede These richtig und nicht jede Studie eine gute wissenschaftliche Arbeit. Das ist in der Wissenschaft aber auch normal. Die Gender Studies müssen sich Kritik also schon gefallen lassen. Das ist in der Wissenschaft ja auch unumgänglich. Aber als Ganze lässt sie sich aber nicht verwerfen. Genau genommen ist sie nämlich gar keine einheitliche wissenschaftliche Disziplin. DIE einen Gender Studies gibt es gar nicht. Deshalb verwendet man ja den Plural. Es handelt sich um ein offenes Forschungsfeld. Das wird interdisziplinär bearbeitet. Zum Beispiel von der Soziologie, der Linguistik oder der Medizin. Die Forschungstreibenden sind also ganz verschiedene Menschen, mit unterschiedlichem Hintergrund. Methoden und Grundlagen unterscheiden sich genauso drastisch.

Man kann also einzelne Studien oder Thesen verwerfen, die Gender Studies als Ganzes aber nicht. Außer man hasst die Wissenschaft als solche. Beispielsweise weil sie den eigenen politischen Zielen Wiederspricht (Stichwort „FAKE NEWS“). Mit ihren Argumenten werden wir uns schon auseinandersetzen müssen, wenn wir in einer offenen Gesellschaft leben wollen.

Deshalb brauchen wir die Gender Studies!

 

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Patrick Catuz, Autor, Feministische PornographiePatrick Catuz ist Autor, Filmemacher und Kulturarbeiter und lebt in Wien. Er ist Doktorand an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Er ist Autor des Buches „Feminismus fickt!“, das sich mit den Perspektiven feministischer Pornographie beschäftigt und produziert gegenwärtig bei Arthouse Vienna feministische, queere und künstlerische Pornographie.

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